Französischer Journalist Peyrard: Taliban machen zunehmend politische Gefangene

4. November 2001, 11:04
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Fotoreporter berichtet von 25 Tagen in Haft

Peshawar - Aus Angst vor einem möglichen Umsturz setzen die in Afghanistan herrschenden Taliban zunehmend politische Gegner und Verdächtige fest. "Alle, die unter Verdacht stehen, sie könnten eine Alternative zur Herrschaft der Taliban vorschlagen, wurden zusammengetrieben und ins Gefängnis gesteckt", berichtete der französische Fotoreporter Michel Peyrard am Sonntag in der pakistanischen Stadt Peshawar. Der Journalist des Wochenmagazins "Paris Match" war am Samstag nach 25 Tagen Taliban-Gefangenschaft in Afghanistan freigelassen worden.

Allein im Hauptgefängnis der ostafghanischen Stadt Jalalabad stieg die Zahl der politischen Gefangenen nach Peyrards Angaben seit dem 11. September von 150 auf etwa 400. Es gebe regelmäßig Razzien zur Verfolgung möglicher Taliban-Feinde.

Zu seiner eigenen Gefangenschaft sagte Peyrard, der erste Tag sei "ziemlich schwierig" gewesen; er sei "grob" behandelt worden. Danach seien die Bedingungen "erträglich" gewesen. Peyrard war am 9. Oktober in der Nähe von Jalalabad zusammen mit zwei pakistanischen Journalisten in die Hände der Taliban gefallen. Der 44-jährige Journalist hatte sich als Frau mit dem afghanischen Ganzkörperschleier, der Burka, verkleidet und trug nach Angaben der Taliban unter anderem ein Satellitentelefon und ein Aufnahmegerät bei sich. Über das Schicksal der beiden pakistanischen Journalisten war zunächst nichts bekannt. Auf Spionage steht in Afghanistan die Todesstrafe. (APA)

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