Schüssel setzt in New York auf die Botschaft der Musik

3. November 2001, 10:44
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Kanzler regt zum Abschluss seiner Visite Benefiz- Konzert der Philharmoniker an

New York - Zum Abschluss seines Besuchs in den USA hat Bundeskanzler Wolfgang Schüssel am Freitagnachmittag (Ortszeit) dem Bürgermeister von New York, Rudolph Giuliani, einen Besuch abgestattet. Bei dem Gespräch in der New Yorker City Hall schilderte Giuliani die materiellen Schäden für die Stadt durch die Terroranschläge vom 11. September auf das World Trade Center (WTC), berichtet Schüssel anschließend vor Journalisten. Er habe mit Giuliani auch über die Idee der Wiener Philharmoniker gesprochen, bei ihrer kommenden USA-Reise im März ein Benefizkonzert für die Opfer der Anschläge zu geben.

Durch die Zerstörung des WTC und angrenzender Gebäude hat Manhattan circa sieben Prozent seiner Bürofläche verloren. Die Aufräumarbeiten an der Oberfläche werden noch etwa ein Jahr dauern. Im Untergrund, wo sich auf mehreren Etagen Geschäfte und eine U-Bahn-Station befanden, werde der Räumungsprozess noch später abgeschlossen werden, erwartet Giuliani nach Angaben Schüssels.

Für die nächsten sechs Monaten brauche die Stadt nach Schätzungen des Bürgermeisters zusätzlich drei Milliarden Dollar (3,32 Mrd. Euro/45,7 Mrd. S). Die Federal Reserve (Nationalbank) habe soeben 2,7 Milliarden Dollar überwiesen. Über die zukünftige Nutzung des Geländes des WTC soll eine neunköpfige Kommission entscheiden. Giuliani selbst zeige sich gegenüber der Neuerrichtung der Twin Towers skeptisch, sondern plädiere eher für ein Mahnmal und kleinere Bürogebäude, berichtete Schüssel.

Neben der Bewältigung der materiellen Schäden müssen die New Yorker auch wieder Vertrauen in die Sicherheit bekommen. Nach den Anschlägen sei das Sicherheitsgefühl schon fast wieder hergestellt worden, bis die ersten mit Anthrax-Viren verseuchten Briefe aufgetaucht seien, berichtete Giuliani im Gespräch mit Schüssel. Für den Bürgermeister sei es das Wichtigste, den Menschen die ganze Wahrheit zu sagen, ohne dabei Panik zu erzeugen, zeigte sich Schüssel von der Informationspolitik des Bürgermeisters beeindruckt.

Die City Hall, der Amtssitz des New Yorker Bürgermeisters, liegt nur wenige Blocks entfernt vom zerstörten WTC im Süden von Manhattan. Wegen der Terrorgefahr sind das Gebäude und der angrenzende Park von Sicherheitskräften abgeschirmt. Ungebrochen aber ist die Baseball-Begeisterung der New Yorker: Auf einem riesigen Transparent über dem Eingang der City Hall gratuliert Giuliani den Yankees zum Gewinn der American League.

Der geplante Besuch Schüssels bei dem ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton kam aus Zeitgründen nicht zustande. Schüssel führte ein kurzes Telephongespräch mit Clinton. Anschließend trat der Bundeskanzler die Heimreise nach Wien an. Bereist nächsten Freitag (9.11.) kommt Schüssel zur UNO-Generaldebatte wieder nach New York.(APA)

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