Wie Buddha auf die Koralm kam

2. November 2001, 22:52
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Bald werden Wanderer einem goldenen Stupa begegnen - Einweihung durch den Dalai Lama höchstpersönlich

Graz - Garanas. Ein kleines Dorf in der Weststeiermark. Auf 1000 Meter Höhe. Auf der Koralm. Ein Gebiet für Wanderer und Bergfexe. Doch diese werden bald einem für die Gegend ungewöhnlichen Bauwerk gegenüberstehen: einem goldenen Stupa. Am Samstag erfolgt der Spatenstich für den Bau des tibetisch-buddhistischen Heiligtums, das vom Dalai Lama eingeweiht werden wird.

Weiters wird in Garanas eine ehemalige Jugendherberge zu einem so genannten Retreat-Zentrum - eine Art buddhistisches Meditationshaus - umfunktioniert. "Dort kann sich jeder spirituell Interessierte zurückziehen. Um entweder mit einem Lehrer in Klausur zu gehen. Oder einfach nur, um in Stille allein zu sein", sagt Lucia Waldhör vom buddhistischen Verein She Drup Ling in Graz.

Garanas solle aber vor allem als "Dependance im Grünen" des von 11. bis 23. Oktober 2002 in Graz stattfindenden buddhistischen Großrituals "Kalachakra - Das Rad der Zeit" dienen. So werden in Garanas "Retreats" zur Einführung in die buddhistische Meditationspraxis mit tibetischen Lamas angeboten. Zu dem mehrtägigen Einweihungsritual "Kalachakra", das der Dalai Lama als geistliches und weltliches Oberhaupt der Tibeter leiten wird, werden in Graz bis zu 12.000 Teilnehmer aus dem In- und Ausland erwartet. Bisher haben sich rund 4000 Personen aus 30 Ländern angemeldet, heißt es seitens der Veranstalter.

Menschenrechtspreis

Der Dalai Lama werde während seines Aufenthalts in Graz den Menschenrechtspreis der Karl-Franzens-Universität erhalten, hieß es am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Graz. Bürgermeister Alfred Stingl (SP) dazu: "Der Dalai Lama ist eine der wenigen Stimmen auf der Welt, die noch gehört werden."

Der Buddhismus ist in Österreich seit 1983 eine staatlich anerkannte Religionsgemeinschaft. Bei der Dachgemeinschaft "Österreichische Buddhistische Religionsgemeinschaften" (ÖBR) gibt es laut Waldhör 2000 eingetragene Mitglieder. Die Zahl jener, die sich zum Buddhismus bekennen, ohne einer Gemeinschaft anzugehören, schätzt man jedoch auf das Zehnfache, so Waldhör. (koe, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3./4. 11. 2001)

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