Auf der Suche nach dem Dieb

2. November 2001, 22:20
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Linz: "TheaterUnser" spielt Krimi zum Mitraten

Linz - Genau dann, wenn der Böse im Freitagabend-Fernsehkrimi das Falsche sagt und sich damit entlarvt, donnert der Güterzug Richtung Wien draußen vorbei. Hast Du was verstanden? Natürlich nicht. Weiß eh' schon, wer der Täter ist. Das Spiel, den Fall noch vor dem Kommissar zu lösen, kann jetzt auch in der gläsernen Sky-Bar im Linzer Ars Electronica Center gespielt werden kann (die vorbeifahrenden Autos sind viel leiser als der Güterzug).

Am Mittwochabend hatte "Der Monddiamant" nach dem Kriminalroman von Wilkie Collins Premiere. "TheaterUnser" hat ein "schwindelerregendes theatralisches Verbrechen" inszeniert. Einen Krimi zum Mitraten. Man kann aber auch nur einen Drink nehmen und die schauspielerische Leistung von Andreas Baumgartner und Rudi Müllehner bewundern, die zwischen der Rolle des Erzählers und 14 weiteren Rollen hin- und herwechseln.

"Wir hegen die Vorliebe für publikumsnahe Unterhaltungsformen, experimentieren gerne mit Formen der Begegnung zwischen Spielern und Zuschauern", sagen die Künstler von "TheaterUnser".

Doch der Reihe nach: Der gelb leuchtende Monddiamant, den Miss Rachel zu ihrem 18. Geburtstag geschenkt bekommt, verschwindet. Wer war der Dieb? Das Dienstmädchen Rosanna mit ihrer verbrecherischen Vergangenheit, oder die edlen Herren Franklin und Godfrey? Der Diamant ist verschwunden, und keiner weiß wie. So endet die erste Sequenz. Dann folgt eine Pause, exakt sechs Minuten. Zeit, sich mit Freunden zu beratschlagen oder um einen weiteren Drink zu ordern.

Sechs Sequenzen umfasst das Stück, das Henry Mason inszeniert hat. Von Szene zu Szene wird der Fall verstrickter, weshalb die kurzen Pausen nach jedem Bild wichtig sind, um die eigenen Ermittlungen zu sortieren und zu verifizieren. Hundert Zuschauer waren gekommen, um mit Sergant Cuff das Geheimnis zu lüften. Tatsächlich packte viele der Ehrgeiz, manche machten sich sogar Notizen. Wer allerdings nur Unterhaltung sucht, kommt ebenfalls auf seine Kosten.
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3./4. 11. 2001)

 Von
 Kerstin
 Scheller


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