Tuberkulose-Epidemie in Russland befürchtet

2. November 2001, 19:05
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Wissenschafter registrieren starken Anstieg HIV-Infizierter

London - Die stark gestiegene Zahl der HIV-Infizierten in Russland könnte Wissenschaftern zufolge zu einer Tuberkulose-Epidemie in dem Land führen. "Wenn wir die Ausbreitung von Aids nicht aufhalten, werden wir auch die Tuberkulose nicht eindämmen", sagte der russische Arzt Boris Kasionnj in einem Artikel der medizinischen Fachzeitschrift " The Lancet", die am Freitag in London erschien.

Geschwächte Immunsysteme

Weil das Immunsystems bei HIV-Infizierten geschwächt ist, besteht dem Bericht zufolge für sie eine 30 Mal höhere Gefahr, sich mit Tuberkulose anzustecken, als für gesunde Menschen. Vermutlich seien rund 16 Millionen Russen - jeder sechste - bereits mit Tuberkulose (TBC) angesteckt. Die Bakterien-Infektion zersetzt die Lungen und verbreitet sich durch die Luft. Noch ist die Epidemie nach Kasionnjs Worten in einem frühen Stadium. Vorbeugende Maßnahmen wie HIV-Tests, Aids-Aufklärung und rasche Behandlung von Tuberkulose-Kranken könnten die Ausbreitung von TBC aufhalten. "Russland kann eine wahrhaftige Gesundheits-Katastrophe noch verhindern", sagte Kasionnj. Doch wenn jetzt nicht gehandelt werde, sei es zu spät. Weltweit sterben jährlich mehr als eine Million Menschen and Tuberkulose. (APA/Reuters)

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