Die philosophisch-alpine Tour

    3. November 2001, 13:58
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    Das zwischen Wechsel und Semmering gelegene Trattenbachtal ist fast ein Mauerblümchen unter den niederösterreichischen Wanderregionen, obgleich es einige sehr schöne und interessante Routen zu bieten hat.

    So erweist sich etwa eine Besteigung des Großen Otter aus dem Süden als sehr lohnend. Durch Holzschlägerungen ist der 1358 m hohe Gipfel fast frei und bietet eine sehr schöne Aussicht zum Hochwechsel, von etlichen freien Stellen unterhalb des höchsten Punktes genießt man den Blick auf Schneeberg, Rax und deren benachbarte Erhebungen. Die Route hat einen philosophischen Touch, denn auf dem ersten Teil des Weges von Trattenbach findet man viele Tafeln mit Aussprüchen des Denkers Ludwig Wittgenstein (1889-1951), der in der Gegend eine Zeit lang als Volksschullehrer wirkte. In den Gasthäusern Trattenbachs erhält man eine kleine Broschüre "Vom Sein des Steins", welche über die geologischen Besonderheiten des Gebietes informiert und viele Punkte entlang der Wanderrouten beschreibt, die es wert sind, beachtet zu werden.

    Trattenbach galt einst als eines der wichtigsten Goldbergbaugebiete Österreichs, am Westkamm des Großen Otter sind die Relikte eines Schwerspat-Bergwerks. Man findet auf den Halden noch Stücke des Gesteins, welches durch sein großes Gewicht auffällt. Der Weg vom Kummerbauerstadl zum Gipfel ist unmarkiert, aber nicht zu verfehlen. Schwierigkeiten hat man nicht zu erwarten. Die Hänge sind steil, nicht aber die Wege. Im Sommer fungiert die Alm unterhalb des Gipfels als Stierweide, sie lässt sich außerhalb des Zaunes umgehen.

    Die Route: Bei der Kirche in Trattenbach beginnt der Wittgensteinweg T 2, der zu einer Forststraße führt. Auf dieser erreicht man eine Häusergruppe, man steigt direkt aus dem Graben zu einem Bauernhof an und gelangt auf dem Spreitzhoferweg T 4 die Straße zum Kummerbauerstadl, deren Kehre man abkürzen kann. Gehzeit ab Trattenbach 1 1/2 Stunden. Vom Gasthof ein kurzes Stück zurück und dann nach links auf einen unmarkierten, breiten Güterweg, der bei einer Almhütte endet. Auf einem Steig erreicht man das 1976 erneuerte Gipfelkreuz. Eine Stunde ab Kummerbauerstadl. Auf der Anstiegsroute kehrt man zurück und zweigt später nach rechts auf den Fahrweg zum Gehöft Morgenbesser ab. In einer Kehre geht es in den Graben hinab, der in die Anstiegsroute mündet. Vom Gipfel bis nach Trattenbach braucht man knappe zwei Stunden.

    Von Bernd Orfer

    Gesamtgehzeit 4 1/2 Stunden, Höhendifferenz rund 500 m. Gasthaus Kummerbauerstadl als Stützpunkt (Freitag Ruhetag). Bundesamtskarte 1:25.000 oder 1:50.000, Blatt 105 (Neunkirchen)
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