Microsoft: Streicheleinheiten - Von Michael Moravec

2. November 2001, 19:22
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Microsoft hat sich in dem seit drei Jahren laufenden Kartellprozess nun auf der ganzen Linie durchgesetzt. Das Ergebnis: Andere Softwarehersteller können bald ihre Programme etwas leichter an das Betriebssystem Windows andocken. Das ist aber, verglichen mit der früher ins Auge gefassten Zerschlagung des Konzerns, eine liebevolle Streicheleinheit. Juristen in Washington merkten verbittert an, dass der nun abgeschlossene Vergleich weniger weit reicht, als Microsoft in Zeiten der Präsidentschaft Bill Clintons zu unterzeichnen bereit gewesen war.

Völlig ungehindert kann der größte Softwarekonzern nun eine Praxis weiter pflegen, die einen höchst effizienten Missbrauch einer Monopolstellung darstellt. Im Bereich der Betriebssysteme verfügt Microsoft mit Windows und einem Marktanteil von über 90 Prozent über ein Monopol. Nun koppelt Microsoft einfach zusätzliche Software wie Internetbrowser an das Betriebssystem, und schon hat auch der Internet-Explorer riesige Marktanteile.

Der Kartellprozess, der nun zu Ende geht, beschäftigte sich genau mit diesem - drei Jahre alten - Thema. Dass Microsoft nie wirklich Angst vor dem Kartellgericht hatte, zeigt das neue Windows XP. Es soll dem Softwareriesen helfen, die Monopolstellung auf das Internet auszudehnen. Gewisse etablierte Standards wie etwa MP3 werden nur unzureichend unterstützt und durch Microsoft-Versionen ersetzt. Wer ins Internet will, muss einen eigenen Microsoft-Pass lösen, lügt der Computer frech. Viele unerfahrene Surfer werden das glauben. Bis ein möglicher neuer Kartellprozess in einigen Jahren zur Erkenntnis kommt, dass Microsoft jetzt doch zu weit gegangen ist, sind vermutlich noch viel Freude spendende Innovationen zu erwarten. (DER STANDARD, Printausgabe 3.11.2001)

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