Simultandolmetsch fürs Universum

2. November 2001, 19:19
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Burgenländische Software für Cern

Eisenstadt - Die längst schon international tätige Eisenstädter Softwareschmiede ETM hat dieser Tage einen Großauftrag an Land gezogen, der wohl mehr bedeutet als die damit verbundenen Euromillionen an Umsatz: weltweites Renommee. Die Burgenländer werden in den nächsten fünf Jahren das Europäische Kernforschungszentrum Cern in Genf mit ihrer Prozessüberwachungs-Software PVSS ausrüsten.

In einem dreijährigen Auswahlverfahren sind, erzählt ETM-Vorstand Klaus Gieber, rund hundert derartige Systeme getestet worden. Die Cern-Leute entschieden sich schließlich - und es ist gut möglich, dass man diesen Satz in Eisenstadt irgendwann in Stein meißeln wird - "to use the system from ETM as a standard at Cern".

Die siegreiche Software ist ein flexibel einsetzbares Programm zur Prozesssteuerung, vor allem aber Visualisierung. Damit können, so ETM, komplexe Vorgänge so auf den Bildschirm gebracht werden, dass sie einfacher und effizienter beeinflusst und gemanagt werden können. Der Einsatz dieses "Prozess-Visualisierungs und Steuerungs-Systems" PVSS, eine Eigenentwicklung von ETM, reicht von der Tunnelüberwachung auf österreichischen Autobahnen über die Hamburger U-Bahnen, die Flughäfen in Frankfurt und Athen bis zu automatisierten Produktionsanlagen der Voest.

Beträchtliche Aufrüstung

Die Ausrüstung des Genfer Cern, dessen Herzstück der 27 Kilometer lange Teilchenbeschleuniger ist, bedarf freilich einer beträchtlichen Aufrüstung. Sind die Teilchen in der unterirdischen Röhre einmal unterwegs, fallen rund zehn Terrabyte Daten pro Sekunde an. Nur wer diese Daten so ordnen kann, dass er dabei nicht den Überblick verliert, versteht, was die rasenden Teilchen erzählen.

Die Botschaft, dass das Eisenstädter Softwarehaus ETM - von Andreas Mühlgasser vor 16 Jahren nicht nur im übertragenen Sinn in einem Hinterzimmer gegründet - den Kernphysikern dabei helfen wird zu verstehen, "was das Universum zusammenhält", wie Cern-Sprecher Wolfgang von Rüden den Forschungsauftrag umreißt, diese Botschaft hat sich jedenfalls schon herumgesprochen. "ETM", freut sich Klaus Gieber, "verzeichnet schon jetzt Auftragseingänge von internationalen Forschungsinstituten aus aller Welt." (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, Printausgabe 3.11.2001)

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