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2. November 2001, 19:02
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Luxuswohnungen der Extraklasse verspricht der neue Eigentümer des Wiener Hotels Hilton am Stadtpark

Wien - Im Wiener Hotel Hilton am Stadtpark sollen die elegantesten Wohnungen Wiens in bester Lage entstehen, verspricht Hälfte-Eigentümer Hanno Soravia dem gemeinsam mit seinem Bruder Erwin und der Dichand Stiftung das Hotel seit dem Frühjahr gehört. Sie erwarben die Bleibe um eine Milliarde Schilling von der insolventen Schweizer Fluglinie Swissair.

In den letzten zwei Stockwerken, die ohne neue Widmung aufgebaut werden dürfen, sollen im Zuge des Hotelumbaus rund 50 Luxuswohnungen entstehen. Kostenpunkt: 70.000 S (5087 EURO) pro Quadratmeter. Dafür können die Bewohner das komplette Hotelservice in Anspruch nehmen. Außerdem: Doorman, Klimaanlage und Security-Service, sagte Soravia im STANDARD-Gespräch. Er preist vor allem den erstklassigen Standort an, von dem aus man zu Fuß die Innenstadt erreichen kann und vis-à-vis von dem wichtigen Verkehrsknotenpunkt Wien Mitte ist.

Betagtes Hotel

Das 1975 eröffnete und mittlerweile schon etwas heruntergekommene Hotel soll im Frühjahr nächsten Jahres umgebaut werden. 550 bis 600 Zimmer der Fünfsternekategorie sollen dem Hotel zu neuem Glanz verhelfen. Derzeit fehlt dem Hotel jeder Stern, weil ihm der fünfte aberkannt wurde und man auf die Zuteilung der verbleibenden vier Sterne noch wartet, sagte der Anfang Oktober neu bestellte Hilton-Chef, der Holländer Rico de Schepper. Die Hilton-Gruppe bleibt auch unter den neuen Eigentümern der Betreiber. Zu ihr gehören neben dem Hotel am Stadtpark das Hilton Plaza und das ehemalige Scandic an der Donau, das in Hilton Danube umbenannt wird.

Im Erdgeschoß will Soravia keine Shoppingmeile, sondern eine Infrastrukturpassage errichten, wo Dinge des täglichen Gebrauchs, Schuster, Apotheke und Drogerien unterschlupf finden. Zusätzlich wird es Restaurants geben.

Architektensuche

Fix ist jedenfalls schon, dass der Wiener Stararchitekt Hans Hollein, der auch Chef des Fachbeirates ist, die Außenfassade neu gestalten wird; Hollein war es auch, der bereits 1970 für die Gegend einen Bebauungsplan entwickelte, sagte Soravia. Für den tatsächlichen Hotel-Umbau fällt die Entscheidung zwischen drei Architekten in einem internen Wettbewerb: Dieter Hayde, dem Libanese Nabil Golam, der bereits das Ritz Carlton in Paris umgestaltete, und Heinz Neumann.

Ob das Hotel in der Umbauphase offen bleibt, steht noch nicht fest, sagte Schepper. Das entscheide sich in den nächsten sechs Monaten; es sei aber durchaus möglich, dass der Betrieb über vier bis fünf Monate geschlossen wird. Für die Renovierung des Hotels und den Bau eines neuen Bürohauses direkt am Air-Terminal veranschlage Soravia im April einen Betrag von 750 Mio. S. Doch der Bürobau wurde vorerst auf Eis gelegt.

Die heimische Immobilienbranche beobachtet mit Argusaugen das Experiment Soravias auf dem Hotelsektor. Denn das Hilton wurde bereits im Vorjahr zum Kauf angeboten. Die Offerte lagen mit 600 bis 700 Mio. S deutlich unter der Milliarde, die Soravia & Co zu zahlen bereit waren. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Printausgabe 3.11.2001)

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