Wiental: Natur muss warten

2. November 2001, 20:09
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Der naturnahe Umbau des Flussbeckens wurde - vorerst - abgeblasen

Wien - "Meine Priorität ist unter der Erde", erklärt die Wiener Umweltstadträtin Isabella Kossina (SP), warum die Renaturierung des Wientales - ein auch international beachtetes Projekt - abgeblasen wird. Vorerst zumindest.

Die Begründung lautet - wieder einmal: "Der Bund streicht die Mittel", betont Kossina. "Also müssen wir einsparen - wobei Ver- und Entsorgung bei mir die oberste Priorität haben."

Konkret heißt das: Vorerst wird im Wiental nur der Kanal "im Tiefbau" erneuert. Und zwar bis 2005, um rechtzeitig zum Umbau der Hauptkläranlage fertig zu werden. Der naturnahe Umbau des Wientalbeckens aber findet - wie auch die Errichtung eines Radweges von Hütteldorf bis zum Karlsplatz - vorerst nicht statt.

19 heimische Fischarten im Becken

Und das, obwohl der naturnahe Umbau der Rückhaltebecken in Auhof bereits erfolgreich abgeschlossen ist und umfangreiche Begleitstudien erarbeitet wurden. So wurde etwa bei den Untersuchungen durch das Institut für Ökologie und Naturschutz der Universität Wien bereits festgestellt, dass sich in den Rückhaltebecken bereits 19 heimische Fischarten tummeln - vor dem Umbau waren es lediglich sieben bis acht.

Doch nur ein naturnah gestalteter Wienfluss würde diese Maßnahme vervollständigen - da er den Zuzug von Fischen aus Donau und Donaukanal ermöglichen würde. Was auch eine Entlastung für jene Arten gebracht hätte, die etwa durch den Bau des Kraftwerks Freudenau stark unter Druck geraten sind.

Denkmalamt fragen

"Man hätte ohnehin erst beim Denkmalamt nachfragen müssen, ob der Umbau so zulässig ist", argumentiert nun Kossina. Und überhaupt fehle hinten und vorne das nötige Geld - durch die im September beschlossene Bundesförderung für Wasser- und Kanalausbau. "Allein Wien verliert dadurch pro Jahr 200 Millionen Schilling für den Kanalbau und weitere 190 Millionen für den Ausbau der Hauptkläranlage der EBS", rechnet Kossina vor.

Kanalertüchtigung und Kläranlagenausbau müssten aber jedenfalls umgesetzt werden. "Für die Natur wäre der geplante Umbau des Wientals sicherlich sehr sinnvoll", gibt Kossina zu. "Aber ich brauche ja auch noch schöne Projekte für die Zeit nach 2005."(derstandard,print-ausgabe,3.11.2001)

von Roman Freihsl
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