Neue Kritik an der Tunnelsicherheit

2. November 2001, 19:48
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Steirisches Feuerwehrkommando: Zu lange Fluchtwege im Plabutsch-Neubau

Graz/Wien - Die Behörden legten eine "schleppende Vorgangsweise" an den Tag, die Sicherheitsstandards ließen auch bei Neubauanlage zu wünschen übrig - das Landesfeuerwehrkommando Steiermark äußerte am Freitag einmal mehr geharnischte Kritik an den Verantwortlichen für die Tunnelsicherheit. Seit dem schweren Feuerunfall im Gleinalmtunnel vom August (fünf niederländische Urlauber verbrannten hilflos in ihrem Pkw) habe sich - trotz der eigens einberufenen Tunnelsicherheitskommission - nichts Substanzielles in der Sache getan.

Unzumutbare Rettungsmöglichkeiten

Besonders die im Bau befindliche Plabutsch-Röhre auf der Pyrhn-Autobahn (A9) gibt den Feuerwehrleuten Anlass zur Kritik: Flucht- und Angriffsstollen seien weiterhin nur in begrenztem Ausmaß vorgesehen. Entgegen den Forderungen der Feuerwehren würden im neuen Plabutsch-Tunnel nur alle 480 Meter derartige Rettungsmöglichkeiten vorgesehen - eine Distanz, die im Brandfall besonders für ältere Menschen oder Kinder "unzumutbar" sei. Auch für die Feuerwehren seien derart lange Angriffswege mit schwerem Atemschutz nur schwer zu überwinden.

Zum Vergleich: Im St.-Gotthard-Tunnel, am 24. Oktober Schauplatz einer Brandkatastrophe, sind solche Rettungsmöglichkeiten in den Fluchtstollen alle 250 Meter vorhanden.

Tropfen auf den heißen Stein

Die angekündigte Übergabe von 25 Langzeit-Atemschutzgeräten durch die Österreichische Autobahnen- und Schnellstraßen AG (Ösag) stelle in diesem Lichte "nur einen Tropfen auf den heißen Stein" dar. Denn: "Die Ausrüstung der Portalfeuerwehren liegt trotzdem noch immer im Argen." Auch die Einrichtung von Betriebsfeuerwehren bei längeren Tunnels (damit könnten die Eingriffszeiten verkürzt werden) sowie die Installierung von automatischen Löschanlagen sei ein "Muss" für gut gesicherte Tunnels.

Außerdem, so der Landesfeuerwehrverband, sei die derzeitige Kennzeichnung von Fluchtwegen, Löschnischen und anderen Sicherheitseinrichtungen "völlig unzureichend". Das zeige eine jüngst im Tanzenberg-Tunnel (Semmering-Schnellstraße, S6) abgehaltene Übung: "Selbst bei einer geringfügigen Verqualmung der Tunnelröhre können die derzeit vorhandenen Fluchtwegkennzeichnungen nicht mehr wahrgenommen werden", erklärten die Feuerwehrleute.

Erst vor gut einem Monat hat die von Verkehrsministerin Monika Forstinger (FPÖ) eingesetzte Tunnelsicherheitskommission ein Maßnahmenpaket zu Verbesserung der Standards in heimischen Röhren beschlossen. Darin sind unter anderem eine bessere Beleuchtung und Belüftung, Rumpelstreifen und ein Tunnelkommissar vorgesehen, der alte und neue Sicherheitsstandards kontrollieren soll. (chr,derstandard,print-ausgabe,3.11.2001)

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