Argentinien will Schuldenlast mindern und Einkommen erhöhen

2. November 2001, 16:40
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Präsident De la Rua schließt Ende der Dollarbindung aus

Buenos Aires - Argentinien will die erdrückende Last seiner Milliardenschulden mindern und die seit 1998 andauernde schwere Wirtschaftskrise durch Einkommenserhöhungen überwinden. Die an internationalen Finanzmärkten befürchtete Zahlungsunfähigkeit oder ein Ende der Dollarbindung der Landeswährung Peso schloss Präsident Fernando de la Rua erneut kategorisch aus. "Argentinien steht zu seinen Verpflichtungen", sagte der Staatschef in einer Rundfunkansprache. Die Finanzmärkte reagierten zunächst skeptisch auf die seit der Wahlschlappe De la Ruas vor mehr als zwei Wochen erwarteten Maßnahmen.

"Argentinien-Plan"

Kern des angekündigten "Argentinien-Plans" ist das Angebot an die Inhaber argentinischer Staatsanleihen, ihre hochverzinslichen, aber als extrem riskant geltenden Papiere in sicherere Anleihen mit einer Verzinsung von nur sieben Prozent jährlich umzutauschen. Mit diesen Papieren soll der Inhaber Steuern begleichen können, wenn der Staat sich als zahlungsunfähig erweisen sollte. Schätzungsweise 40 bis 50 Prozent der insgesamt etwa 160 Mrd. Dollar (177 Mrd. Euro/2,4 Bill. S) Schulden des Bundesstaates und der Provinzen werden von Argentiniern gehalten.

In einer ersten Reaktion stieg das von der US-Bank J.P.Morgan errechnete Länderrisiko am Freitagmorgen jedoch auf den neuen Höchststand von mehr als 2.400 Basispunkten. Statt der von De la Rua angestrebten sieben Prozent müsste Argentinien demnach theoretisch 24 Prozent mehr Zinsen für Staatsanleihen anbieten als die USA für vergleichbare Papiere.

Von den Kreditmärkten abgeschnitten

Faktisch ist das potenziell sehr wohlhabende Land seit Monaten durch die extrem hohen Zinsforderungen von den Kreditmärkten abgeschnitten und erhält nur noch politisch begründete und mit strengen Auflagen verbundene Finanzhilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und anderer Finanzinstitutionen.

Eine zeitweise Verminderung der Sozialabgaben sowie der Mehrwertsteuer soll die Kaufkraft um etwa sieben Prozent erhöhen und damit den privaten Konsum ankurbeln. De la Rua betonte, seine Regierung werde unbeirrt an der Politik des Null-Defizits festhalten und nicht mehr Geld ausgegeben, als eingenommen werde. (APA/dpa)

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