Den Haag: 5 bis 25 Jahre Haft für fünf bosnische Serben

2. November 2001, 17:53
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Omarska-Lageraufseher mordeten und folterten Zivilisten

Den Haag/Zagreb/Banja Luka - Fünf bosnische Serben, die als Lageraufseher im Bosnien-Konflikt 1992 "höllische Orgien der Gewalt" ausgeübt haben, sind am Freitag vom UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag zu Haftstrafen zwischen 5 und 25 Jahren verurteilt worden. Sie wurden schuldig gesprochen, im berüchtigten Lager Omarska in Zentralbosnien moslemische und kroatische Zivilisten auf sadistische Weise gefoltert, vergewaltigt und ermordet zu haben. Dabei hätten sie an einem "gemeinschaftlichen kriminellen Unternehmen" mitgewirkt, befanden die Richter.

Die höchste Strafe verkündeten sie mit 25 Jahren gegen Zoran Zigic (43), der als besonders brutaler Schläger geschildert wurde. Er soll in Omarska und anderen Lagern in der Region von Prijedor im Nordwesten Bosniens regelmäßig Häftlinge misshandelt, vergewaltigt und ermordet haben. Zigic habe die Häftlinge an die Grenzen ihrer Leidensfähigkeit gebracht, sagte der portugiesische Richter Almiro Rodrigues. "Sie liebten es, die Gefangenen zu demütigen und sie zu zwingen, ihr eigenes Blut zu trinken."

Mildernde Umstände

20 Jahre soll hingegen Mladjo Radic (49) verbüßen. Ihm wurden vor allem Vergewaltigungen gefangener Frauen, Mord und Folter zur Last gelegt. Für beide hatte die Anklage lebenslange Haft gefordert. Der amtierende Lagerleiter Miroslav Kvocka (44) erhielt sieben Jahre Haft, sein Kollege Dragoljub Prcac (64) aus der Lagerverwaltung fünf Jahre. Für beide hatte die Anklage je 35 Jahre Haft gefordert. Unterführer Milojica Kos (38) soll sechs Jahre verbüßen, weil auch er bereitwillig Gefangene gequält und Straftaten von Untergebenen nicht verhindert hat. Für ihn hatte die Anklage 25 Jahre Haft gefordert.

Das Gericht wertete als mildernden Umstand, dass trotz aller Brutalität der Verurteilten andere bei Planung und Vorbereitung der Verfolgung nicht-serbischer Bewohner von Bosnien mehr Schuld auf sich geladen hätten. Bei ihren Strafanträgen hatte die Anklage seinerzeit keine mildernden Umstände angeführt.

113 Verhandlungstage

Die blutigen Vorgänge im Lager Omarska und in den Nachbarlagern Keraterm und Trnopolje waren 1992 durch Fernsehteams aufgedeckt worden. Die Bilder ausgemergelter und verängstigter Häftlinge hatten die Welt erschüttert. "Sie haben wahrscheinlich auch dazu geführt, dass dieses Gericht geschaffen worden ist", erinnerte Richter Rodrigues in der Urteilsbegründung. 140 Überlebende hatten an 113 Verhandlungstagen erschütternde Grausamkeiten gegen wehrlose Frauen und Männer in den Lagern geschildert.

In Omarska waren während des Bosnien-Krieges von 1992 bis 1995 zahlreiche Moslems und Kroaten gefoltert und ermordet worden. In dem Urteil des Haager Tribunals hieß es, nach der Einnahme Prijedors durch die serbischen Truppen im April 1992 seien die über 3.300 Menschen unter "unerträglichen" Bedingungen gefangen gehalten worden.

Eine aus Kroatien stammende Serbin ist wegen eines vor zehn Jahren verübten Kriegsverbrechens festgenommen worden. Die 49-jährige Zorana Banic sei für Hinrichtungen von 43 Kroaten in der Adria-Ortschaft Skabrnje verurteilt und gesucht worden, berichtete die kroatische Nachrichtenagentur Hina am Freitag. Sie sei am Donnerstag auf dem Flughafen Zürich aus Dubai kommend gefasst worden. (APA/dpa)

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