Wiener Dorotheum verwahrt gepfändete Rupertinums-Kubisten

2. November 2001, 15:45
posten

Folgt damit einem Antrag Ronald Lauders - Prag überlegt Ausfuhrverbot tschechischer Kunstwerke

Wien - Im Wiener Dorotheum in Verwahrung befinden sich derzeit Bilder aus der Sonderausstellung des Salzburger Rupertinums "Tschechische Kubisten", die auf Beschluss des Bezirksgerichtes Salzburg gepfändet wurden. Dieses folgte damit einem Antrag des US-Geschäftsmannes und ehemaligen US-Botschafters in Österreich, Ronald Lauder.

Zu den ursprünglichen vier gepfändeten Bilder sind, wie Rechtsanwalt Eugen Salpius berichtet, noch weitere vier hinzugekommen, da sich auch bei diesen herausgestellt habe, dass sie sich im Eigentum von Vladimir Zelezny befinden. Zu Bildern von Bohumil Kubista, Vaclav Spala und zwei Werken von Emil Filla ist noch ein drittes Filla-Gemälde ("Gläschen" 1914/15) hinzugekommen sowie Werke von Antonin Prohazka und Otakar Nedjedly. Vor einer Versteigerung im Dorotheum ist noch die Entscheidung des Salzburger Gerichtes über eine Berufung abzuwarten.

Rechtsstreit

Im Hintergrund steht dabei ein mittlerweile europaweit die Gerichte beschäftigender Rechtsstreit zwischen Ronald Lauder als Eigentümer von CME (Central European Media Enterprises) und dem Geschäftsführer des kommerziellen tschechischen Fernsehsenders TV Nova, Vladimir Zelezny. Sechs Jahre lang waren Zelezny und die Gesellschaft des US-Milliardärs Partner. Mit amerikanischem Kapital hatten sie den ersten tschechischen Privatsender Televize Nova ins Leben gerufen, der es mit Einschaltquoten von mehr als 70 Prozent zu einer einzigartigen Erfolgsstory brachte. Mit amerikanischer Unterstützung konnte Zelezny auch die Mehrheitsanteile an der tschechischen Gesellschaft CET 21 erwerben und kam somit auch in den Besitz der Sendelizenz. Nach tschechischem Gesetz darf Auslandskapital in Lizenzgesellschaften nur auf eine Minderheit beschränkt bleiben.

1997 verkaufte Zelezny seine Anteile an der Produktionsgesellschaft CNTS, die das TV Nova-Programm machte. Er blieb jedoch deren Generaldirektor und wurde von CME 1999 aus diesem Posten gefeuert, weil er einen Teil der Gewinne an eine eigene Gesellschaft abgeführt haben soll. Zelezny allerdings besaß die Lizenz und baute über Nacht einen neuen, eigenen Fernsehsender Nova auf. Die Aktien der am tschechischen Fernsehmarkt ausgetricksten CME stürtzten darauf in den Abgrund.

Der Schiedshof der Internationalen Handelskammer (Sitz in Paris) entschied in einem in Amsterdam ausgetragenen internationalen Schiedsverfahren gegen eine 500-Millionen-Dollar-Schadenersatzforderung (für Kurseinbruch und Wertverlust seiner CME), entschied jedoch, dass Zelezny 23 Millionen Dollar (350 Mill. S) plus 4,2 Millionen Dollar Zinsen zurückzahlen muss. Seither sieht sich Zelezny in Prag, aber auch in Frankreich und nun auch in Österreich mit Pfändungsklagen konfrontiert.

Weitere Klagen

Lauder hat aber auch gegen den tschechischen Staat Klagen eingebracht. Ein Schiedsgericht in London, bei dem Tschechien beklagt wurde, es habe gegen das amerikanisch-tschechische Investitionsschutzabkommen verstoßen, entschied dabei gegen Lauders 500-Millionen-Dollar-Klage. Vor einem ähnlichen Schiedsgericht in Stockholm, in dem über die Beschuldigung, Tschechien habe gegen das Abkommen der Tschechischen Republik und der Niederlande zum beiderseitigen Schutz von Investitionen verstoßen, verlor allerdings die Republik. Tschechien kündigte nun im Oktober an, es werde vor einem schwedischen Gericht eine Klage gegen das Stockholmer Schiedsgericht einbringen und forderte die Aussetzung des zweiten Akts des Stockholmer Verfahrens, bei dem die Höhe des zu begleichenden Schadens festgelegt werden soll.

Vor dem Hintergrund der Prozesslawine hat nun in der Vorwoche der tschechische Kulturminister Pavel Dostal angekündigt, dass er ein temporäres Ausfuhrverbot tschechischer Kunstwerke, bzw. ein Leihgabeverbot tschechischer Museen erwäge. Dies vor dem Hintergrund, dass die Tschechische Republik auch die auf rund eine Million Dollar angelaufenen schwedischen Verfahrenskosten nicht beglichen hat. Befürchtet wird, dass nach Salzburger Beispiel auch Kunstwerke aus Staatsbesitz gepfändet werden könnten. (APA)

Share if you care.