Frankeich begeht 100. Geburtstag von Andre Malraux

4. November 2001, 23:12
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Zahllose Veranstaltungen und eine Verfilmung von "La condition humaine"

Paris - In den nächsten Wochen und Monaten stehen in Frankreich anlässlich des 100. Geburtstages des 1976 verstorbenen Pariser Schriftstellers und Politikers Andre Malraux zahlreiche Veranstaltungen auf dem Programm. Ein offizieller Gedenktermin in Erinnerung an den Autor der "Condition humaine" (1933), der am 3. November 100 Jahre alt geworen wäre, findet am 25. November im Kulturhaus des zentralfranzösischen Bourges in Anwesenheit von Kulturministerin Catherine Tasca statt. In Bourges hatte der damalige Kulturminister de Gaulles 1963 die Eröffnung des ersten Kulturhauses vorgenommen.

Termine

In Bourges wird unter anderem auch ein Spektakel von Marcel Bozonnet über das Leben Malrauxs vorgestellt. Im "Musee de la Vie romantique" der Pariser Stadtgemeinde sind vom 20. November 2001 bis zum 24. März 2002 zahlreiche Manuskripte des Schriftstellers sowie Illustrationen von Chagall, Masson, Dali und Zao Wou-Ki zu seinen Werken zu sehen.

Anfang des Monats erscheint auch das Buch "Petit tour autour de Malraux" (Editions du Felin) von Brigitte Friang, einer nahen Bekannten des Autors. Das Buch enthält auch kritische Anmerkungen über Malrauxs Frauenfeindlichkeit sowie über seine Zurückhaltung in Bezug auf die Foltervorwürfe gegen die französischen Behörden im Algerien-Konflikt. Im vergangenen Frühjahr hat Olivier Todd eine Biografie des Autors veröffentlicht, in dem ebenfalls auf die zahlreichen Widersprüchlichkeiten im Leben Malrauxs und auf seine Tendenz zur "Selbstverherrlichung" hingewiesen wird.

Cimino-Verfilmung

Der Regisseur Michael Cimino hat überdies seine Absicht angekündigt, "La condition humaine" nächstes Jahr zu verfilmen. In den Hauptrollen wünscht sich der US-amerikanische Filmemacher Johnny Depp, John Malkovich, Alain Delon und Daniel Day Lewis.

Der Mensch Malraux

Der 1901 in Paris geborene Malraux studierte Archäologie, Sanskrit und Chinesisch, nahm 1923 als Archäologe an einer Expedition in Ostasien teil und engagierte sich im Spanischen Bürgerkrieg auf republikanischer Seite. Er kam in deutsche Gefangenschaft, aus der er 1940 floh. Anschließend befehligte er eine Partisanen-Brigade in Elsass-Lothringen. Nach dem Krieg wurde er unter der Präsidentschaft Charles de Gaulles drei Mal Minister.

Als Vertreter des "tragischen Humanismus" beschrieb Malraux in seinen Romanen die Verzweiflung des abseits vom Göttlichen lebenden Menschen. Er stellte das männlich entschlossene Handeln, besonders im revolutionären Kontext, als ein Mittel dar, dem Leben einen Sinn zu geben. In seinen kunsttheoretischen Essays stellte er die Kunst als Ausdruck und Bekundung der Größe des Menschen sowie seiner Auflehnung gegen den Tod dar. (APA)

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