Super-GAU durch Terrorangriff mit Flugzeugen

2. November 2001, 22:13
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Greenpeace-Studie untersuchte Gefährdung deutscher AKWs

Hamburg/Wien - Eine im Auftrag von Greenpeace Deutschland erstellte Studie zeigt die akute Gefährdung deutscher Atomkraftwerke durch Terrorangriffe mit Passagierflugzeugen auf. Sollte etwa eine Boeing 747 das Reaktorgebäude treffen, kann es zu einer Kernschmelze im Reaktor kommen. Die Folgen können sogar die Auswirkungen des Super-GAU von Tschernobyl übertreffen. Die Studie stellt weiters fest, dass Raketenstellungen zum Schutz von AKW problematisch sind. "Angesichts dieser massiven Bedrohung kann bei Kernkraftwerken wie Temelin nicht von Sicherheit gesprochen werden", meint Greenpeace-Atomsprecher Steffen Nichtenberger in einer Aussendung.

Greenpeace fordert die internationale Atomenergiebehörde IAEO anlässlich ihrer heutigen Tagung in Wien auf, an die Staaten der Welt zu appellieren, einen raschen weltweiten Ausstieg aus der Atomenergie zu forcieren.

Wie die Greenpeace-Studie zeigt, weisen die ältesten deutschen AKW bei der Reaktor-Schutzhülle nur 60 cm dicke Wände auf. Sie sollen nur einem langsam fliegenden Sportflugzeug mit etwa 10 Tonnen standhalten. Neuere AKW sollen auch einen Starfighter-Absturz aushalten. Selbst die modernsten deutschen AKW sind nur für den Absturz eines F4E Phantom II-Kampfjets ausgelegt. Die Flugzeugmasse und die Treibstoffmenge eines Boeing-Großraumjets übersteigt jedoch die Masse eines Phantomjets um das Fünfzehnfache. Selbst der kleinere Airbus wiegt drei mal so viel wie ein Phantom-Kampfjet.

Hohe Wahrscheinlichkeit einer Kernschmelze

Die Studie zeigt laut Greenpeace weiters, dass selbst im Falle eines intakt bleibenden Reaktorgebäudes durch Erschütterungen sowie die Zerstörungen der Kontrollmechanismen und durch die extreme Druckerhöhung die hohe Wahrscheinlichkeit einer Kernschmelze besteht. Die Folge wäre eine nationale Katastrophe, die das Ausmaß des Tschernobyl-Unglücks sogar übertreffen kann. Einige 100.000 km Fläche könnten langfristig radioaktiv verseucht und große Teile der Bevölkerung müssten umgesiedelt werden.

Die Studie stellt laut Greenpeace den Schutz der AKW durch Raketenstellungen, wie dies in Frankreich und Tschechien praktiziert wird, in Frage. Diese Waffensysteme in der Nähe der AKW könnten ebenfalls Ziele von Terrorangriffen sein, wenn die Raketen gegen das AKW selbst gelenkt werden. Weiters bestünde die Gefahr von fehlgeleiteten Raketen oder die eines Abschusses von unbeteiligten Flugzeugen, deren Funk- und Navigationssysteme kurz ausgefallen sind.

Greenpeace warnt weiters vor der Gefahr durch Kernmaterial in Händen von Terrorristen. In den letzten zehn Jahren sei die weltweite Menge an Plutonium auf über 200.000 Kilo gewachsen. Nur fünf Kilogramm reichten aber bereits aus um eine Atomwaffe herzustellen. (APA)

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