Bulimie und Anorexie immer häufiger bei Männern

2. November 2001, 14:41
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Experte für neues Rollenverständnis des Mannes

Wien - Echte männerspezifische Probleme liegen in Sachen Gesundheit vor allem in dem mangelnden Bewusstsein für Vorsorge und Früherkennung von Problemen. Dabei spielen soziale und gesellschaftliche Fakten eine enorme Rolle. Dies wurde zur Eröffnung des Kongresses in Wien festgestellt.

Dr. Hannes Schmidl, Gesundheits-Stratege bei der Wiener MA 15: "Männer sterben um sechs Jahr früher als Frauen. Sie haben eine höherer Risikobereitschaft in der Jugend als Frauen. 80 Prozent der Drogenopfer sind Männer. Mehr als 40 Prozent rauchen. Zwei Drittel der Männer über 50 betrieben keine Art von Sport."

Die Männer haben hier allerdings im Vergleich zu den Frauen einen großen Aufholbedarf. Schmidl: "Man kann davon ausgehen, dass wir beim Unterschied zwischen Männer- und Frauengesundheit einen 'Time-lag' von rund zehn Jahren haben. Diesen Time-lag wollen wir schließen." In Wien wird auch daran gedacht, ein Männergesundheitszentrum - analog zu jenen Einrichtungen für Frauen - zu schaffen.

Sozial

Der Präsident des 1. Weltkongresses für Männergesundheit, Univ.-Prof. Dr. Siegfried Meryn, ging in seinem Statement vor allem auf die sozialen Gegebenheiten ein. Sie hingen auch wesentlich von der Erziehung ab: "Wir wissen von Daten aus Großbritannien, dass Buben häufiger als Mädchen die Schulausbildung abbrechen. Wir sprechen von einer 'vaterlosen Gesellschaft'. Es gibt das Phänomen der jungen, aggressiven Männer, die auch gewaltbereit sind."

Selbst Bulimie und Anorexie würden sich - so Meryn - immer häufiger bei Männern bemerkbar machen: "Es gibt eine Form von Sucht, den Adonis-Komplex. Dabei trainieren Männer in Fitness-Studios, bis sie sich verletzen, und sind noch immer nicht mit ihrem Körper zufrieden."

Neues Rollenverständnis

Nur ein neues Rollenverständnis des Mannes könne hier etwas ändern. Der Spezialist: "Männer- und Frauengesundheit sind kommunizierende Gefäße. Mehr als 50 Prozent der Männer sagen, sie stehen unter extremen Stress. Männer steigen dann ins Auto und geben Gas. Männer gehen ins Wirtshaus und trinken Alkohol."

Diese falschen Strategien zur Bewältigung von belastenden Lebensumständen wirken sich deutlich aus: In Wien gehen beispielsweise nur fünf bis sechs Prozent der Männer zu den jährlichen Vorsorgeuntersuchungen. Die Wiener Sozialmedizinerin Univ.-Prof. Dr. Anita Rieder: "In Österreich entfallen nur 38,5 Prozent der Gesundenuntersuchungen auf Männer, 61,5 Prozent auf die Frauen."

Einfach fasste das der Salzburger Urologe Univ.-Doz. Dr. Andreas Jungwirth zusammen: "Männer gehen erst zum Arzt, wenn der 'Motor' stottert oder nicht mehr funktioniert. Frauen gehen zum 'Pickerl'." (APA)

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