Aids-Forschungs- Pionier: "HIV bleibt uns erhalten"

2. November 2001, 14:39
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Robert Gallo fand sich zum Weltkongress für Männergesundheit in Wien ein

Wien - "Wir brauchen ein Vakzin, das gegen die Infektion mit Aids schützt. An meinem Institut haben wir Kandidat-Impfstoffe entwickelt, mit denen wir diesen Weg verfolgen. Vor einem Zeitraum von fünf bis sechs Jahren wird es aber keine endgültigen Aussagen geben. Wir glauben aber, dass wir auf dem richtigen Weg sind." Dies erklärte am Freitag Univ.-Prof. Dr. Robert Gallo, einer der Entdecker des HI-Virus, bei der Eröffnungspressekonferenz des 1. Weltkongresses für Männergesundheit in Wien.

An dem Kongress nehmen einige hundert Fachleute aus aller Welt teil. Diskutiert werden vor allem Strategien, um den Gesundheitszustand der Männer zu verbessern und ihr Vorsorgeverhalten positiv zu beeinflussen.

Gallo ging speziell auf HIV und Aids ein: "Ich glaube, dass wir Aids bald als größte Epidemie der Menschheitsgeschichte bezeichnen werden. Wenn man mich fragt, ob die Pest oder Aids ärger waren bzw. sind, sage ich: Die Pest war ärger, weil sie jeden tötete. Doch Aids ist ärger, weil diese Seuche nicht weggeht. Die Pest starb mit dem Tod der Opfer aus. HIV aber bleibt uns erhalten."

Kombinationstherapie

Die größten Fortschritte laut dem Aids-Forschungs-Pionier: "Seit Mitte der neunziger gibt es die wirksame Kombinationstherapie. Sie hat Aids in den USA und in Europa zu einer chronischen Erkrankung gemacht. Wir haben aber Probleme mit der Toxizität und mit Resistenzen."

Nach Jahren pessimistischer Einschätzungen bezüglich der Machbarkeit von vor HIV-Infektionen schützenden Impfstoffen gibt sich Gallo, mittlerweile nicht mehr an den nationalen US-Gesundheitsinstituten (NIH), sondern am "Institut für Viruserkrankungen des Menschen" in Baltimore tätig, zuversichtlich: "Der "Heilige Gral' wäre ein Vakzin, das einen 'sterilisierenden Impfstoff' darstellt und somit eine Infektion von Anfang an verhindert. Bis vor eineinhalb Jahren war man da pessimistisch, aber wir haben jetzt mehr Hoffnungen."

Während viele Forscher nach den ersten Fehlschlägen mit HIV-Kandidat-Vakzinen vor einigen Jahren auf Impfstoffe setzten, die vor allem die Abwehrzellen gegen Aids-Erreger verstärken sollten, blieb Gallo bei dem Konzept der Anregung möglichst vieler schützender Antikörper durch einen Impfstoff: "Vom Prinzip her glauben wir, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Ein vollkommener Schutz scheint machbar zu sein, doch wir haben dafür noch keinen Beweis." Jüngst publizierte Studienergebnisse einer italienisch-amerikanischen Arbeitsgruppe zu einem solchen Kandidat-Vakzin seien aber noch vorsichtig zu bewerten. Freilich, Aids ist nur zur Hälfte eine Angelegenheit der Männer. Echte männerspezifische Probleme aber liegen in Sachen Gesundheit vor allem in dem mangelnden Bewusstsein für Vorsorge und Früherkennung von Problemen. (APA)

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