"Die Nachbarin" in der Wiener Theater m.b.H.

2. November 2001, 13:29
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"Der Nationalismus blüht, die Vorkriegspsychose grassiert": ein Stück aus Postjugoslawien

Wien - Mit "Die Nachbarin" der Zagreber Autorin Zorica Radakovic bringt das Wiener Theater m.b.H. ab Samstag,eines der Hauptpreisträger-Stücke des im Vorjahr veranstalteten Dramenwettbewerbs für den post-jugoslawischen Raum zur Uraufführung. Das Stück um vier Freundinnen, denen im Zagreb der beginnenden 90er Jahre in der dortigen aufgewühlten gesellschaftlichen Situation nur die Wahl "zwischen Anpassung, Flucht oder Durchknallen" bleibt, ist eine "redselige Komödie, die durch einen Schuss zum Schweigen gebracht wird", heißt es in der Ankündigung des Theaters.

"Der Nationalismus blüht, die Vorkriegspsychose grassiert": Größer als die Angst der Freundinnen vor den historischen Veränderungen ist jedoch die vor dem Prestigeverlust im engeren Milieu. "Die Nachbarin" sei ein Stück "über den erfolglosen Versuch die eigene Identität zu festigen, über die Unerträglichkeit der Einsamkeit und über die Macht dem anderen Schmerz zuzufügen, ja, ihm sogar das Leben zu nehmen", so die Autorin, die bei der Premiere in Wien anwesend sein soll.

Radakovic wurde 1963 in Sinj geboren und lebt seit 1965 in Zagreb. Sie studierte Serbokroatisch und Literatur an der Universität Zagreb. Neben vier veröffentlichten Gedichtbänden verfasst sie auch Prosa, Essays, Kritiken und Theaterstücke. Außerdem arbeitet sie als Journalistin und schreibt Hörspiele.

Aus 95 bei dem Wettbewerb eingereichten Stücken nominierte eine prominent besetzte Jury fünf und sprach für 15 weitere eine Empfehlung aus. Drei Hauptpreise und zwei Zusatzpreise wurden verliehen. "Die Nachbarin" ist, nach Jelena Markovics "Kritik der reinen Vernunft - nach Balkan-Art" im April und "Leben mit dem Wurm" von Marinko Slakeski (Mai), das vorletzte der vier in Wien produzierten Wettbewerbs-Stücke. Den Abschluss macht nächstes Jahr "Pavillons" von Milena Markovic. (APA)

"Die Nachbarin" von Zorica Radakovic.

Regie: Johanna Tomek, Bühne: Werner Schönolt, Kostüme: Evelyn Luef, Musik: Paul Winter.

Mit: Susanne Altschul, Irene Colin, Sylvia Eisenberger, Evelyn Fuchs, Robert Hauer-Riedl und Elfriede Schüsseleder.

Premiere 3. 11., 20.00 Uhr. Weitere Vorstellungen: 6. 11. bis 28. 11. Di-Sa, sowie am 1. 12. und von 4. bis 8. 12., jeweils 20.00 Uhr.

Information und Kartenbestellung (225 S/16,35 Euro, ermäßigt 185 S/115 S, Sozialkarte zu 85 S): (01) 523 18 33, ode über die Webseite
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