Natura 2000 kritisiert chaotischen Natur- und Umweltschutzpolitik

2. November 2001, 13:31
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Schutzgebiete nicht eindeutig deklariert

Wien - Vor dem "Scherbenhaufen ihrer unkoordinierten und chaotischen Natur- und Umweltschutzpolitik" positionierte Franz Maier, Geschäftsführer des Umweltdachverbandes, die alpinen Regionen Österreichs im Hinblick auf die "Natura 2000" am Freitag bei einer Pressekonferenz in Wien.

"Mit dem abschließenden Umweltschutzbericht der EU Mitte Oktober steht fest, dass Österreich auf dem besten Weg ist, beim Schutz der Tier-und Pflanzenwelt zum europäischen Schlusslicht zu werden", konstatierte Maier.

Schutzregionen nicht gesichert

Mit dem Beitritt Österreichs zur EU gelten klare Richtlinien für den Schutz von Flora und Fauna. In Österreich obliegt diese Koordination den Bundesländern. "Tatsache ist jedoch, dass einige Bundesländer in Sachen alpine Schutzregion höchst säumig sind und mit einem Rechtsverfahren von Seiten des Europäischen Gerichtshofes (EUGH) rechnen müssen, falls in den nächsten Wochen nicht gehandelt wird", so Maier weiter. Zu nominieren seien nicht nur jene Gebiete, die ohnehin schon unter Umweltschutz stehen, sondern auch extensive Kulturlandschaften. Insgesamt seien 15 Lebensraumtypen ungenügend nominiert und die Kohärenz von "Natura 2000" damit nicht gesichert.

Schutzgebiete eindeutig deklarieren

"Feuer am Dach" sieht auch auch der Präsident des Umweltdachverbandes, Gerhard Heiligenbrunner: "Eindeutiger Nachzügler bei den Ländern ist Oberösterreich, dicht gefolgt von Salzburg, Tirol, Kärnten und der Steiermark", wo jeweils kaum ein Fünftel der Landesflächen bisher nominiert worden seien. Ein etwas besseres Zeugnis stellte der Experte hingegen Niederösterreich und Wien aus, wo nach Angaben der EU-Kommission bereits über 33 Prozent der Landesfläche als Schutzgebiet deklariert wurden. "Dieser mangelnde Handlungsbedarf ist ein Staatsversagen im Naturschutz. Die Länder sind aufgefordert, endlich Farbe zu bekennen und einzusehen, dass es bereits fünf vor zwölf ist", meinte Heiligenbrunner.

Nicht nur der Braunbär ist vor dem Aussterben bedroht

Den Grund für diese enormen Defizite sieht Maier vor allem darin, dass es an gutem Willen mangelt. "Österreich ist für seine vielen verschiedenen Landschaften bekannt. Wenn man die Qualität aufrechterhalten will, muss man aber auch etwas dafür tun". Es gehe schon lange nicht mehr nur um den populären Braunbär, der bei uns kaum mehr anzutreffen ist, sondern auch um Tierarten, die kaum jemand mehr kennt und die wirklich vom Ausstreben bedroht sind, so Maiers Credo.

EU Fördermittel

Falls diese gravierenden Mängel nicht beseitigt und die Fristen nicht eingehalten werden, würden Österreich nicht nur Strafzahlungen drohen, sondern auch eine einstweilige Verfügung des EUGH, die etwa die Erschließung von Skigebieten und damit den Tourismus mittelfristig stoppen könnten. "Ferner ist damit aber auch die Verweigerung diverser Fördermittel von Seiten der EU verbunden", warnte Heiligenbrunner. Der Umweltdachverband sehe sich daher verpflichtet, "den Ländern weiterhin genauestens auf die Finger zu schauen und die Nominierungen der Naturschutzgebiete auf Punkt und Beistrich zu überprüfen", so der Präsident. (APA)

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