Zigarettenkonzern Reemtsma vor Verkauf

2. November 2001, 19:54
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Eigentümer Tchibo will mit Erlös Aktien von Beiersdorf kaufen

Hamburg - Der letzte große Zigarettenkonzern in deutschem Besitz, die Reemtsma Cigarettenfabrik aus Hamburg, steht nach einem Zeitungsbericht vor dem Verkauf. Wie das "Hamburger Abendblatt" am Freitag berichtete, will der Eigentümer, die Tchibo-Holding, Reemtsma Anfang nächsten Jahres abstoßen. Tchibo-Pressesprecher Joachim Klähn wollte den Bericht nicht kommentieren. 75,1 Prozent von Reemtsma gehören Tchibo, der Rest Mitgliedern der Reemtsma-Familie. Reemtsma produziert Marken wie "West", "R1" oder "Ernte 23".

Nach Angaben des "Hamburger Abendblattes" prüft Tchibo zurzeit einen Börsengang von Reemtsma, einen Teilverkauf oder einen Komplettverkauf. Mit den Einnahmen daraus wolle die in Privatbesitz befindliche Tchibo-Holding ihren Anteil am Beiersdorf-Konzern aufstocken, hieß es weiter. Der Kurs der Beiersdorf-Aktie legte bis zum Nachmittag 0,6 Prozent zu, während der Dax fiel. Laut Bericht will Tchibo im kommenden Jahr versuchen, den 38-Prozent-Anteil der Allianz an dem Körperpflegekonzern zu kaufen.

Die Tchibo-Holding hat drei Geschäftsfelder: Den Kaffeehandel (Tchibo Röstfrisch), Reemtsma und den Beiersdorf-Anteil. In letzter Zeit litt die Holding unter Uneinigkeit unter den Eigentümern, der Familie Herz.

Schweres Fahrwasser

Der Zigarettenhersteller Reemtsma war in letzter Zeit in schweres Fahrwasser gekommen: Der scharfe Wettbewerbsdruck veranlasste das Tabakunternehmen zur Schließung des Werkes im thüringischen Nordhausen. Im September wurde "eine Reorganisation und Straffung der Strukturen" auch über die Werksschließung hinaus angekündigt.

Reemtsma leidet unter den so genannten Handelsmarken, das sind Zigarettenmarken der Supermarktketten, die deutlich billiger als Markenzigaretten verkauft werden. Handelsmarken können günstiger hergestellt werden, weil für sie keine teuren Werbekampagnen gemacht werden.

Trotz des Drucks hatte Reemtsma im Jahr 2000 ein Rekordergebnis erzielt: Erstmals lag der Nettoumsatz über fünf Mrd. DM (2,56 Mrd. Euro/35,2 Mrd. S). Der Gewinn stieg auf 470 Mill. DM. Im Jahr 1999 waren es noch 436 Mill. DM. Bundesweit wuchs der Absatz um 2,8 Prozent auf rund 33 Mrd. Zigaretten. (APA)

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