Jugoslawische Regierung erwägt Verkauf von staatlichen Medien

2. November 2001, 12:24
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Als erstes soll regierungsnaher TV-Sender "Ju-Info" verkauft werden

Die jugoslawische Regierung erwägt den Verkauf aller in ihrem Besitz befindlichen Medien. Betroffen sei vor allem der TV-Sender "Ju-Info", aber auch "Radio Jugoslawien", "Filmske novosti" (Filmnachrichten), die Tageszeitung "Borba" und die staatliche Presseagentur Tanjug, meldeten die betroffenen Medien. Eine endgültige Entscheidung sei allerdings noch nicht getroffen worden. Ihre Chefredakteure seien allerdings über die Regierungspläne, die durch Finanzmangel verursacht worden seien, bereits unterrichtet worden, erklärte der Direktor des TV-Senders "Ju-Info", Zoran Predic, gegenüber dem Sender "B-92".

Über "Ju-Info"

"Ju-Info" ist der TV-Sender, der 1998 von der föderalen Regierung mit dem Ziel gegründet worden war, den Einfluss des Belgrader Regimes von Slobodan Milosevic in Montenegro zu wahren. Der Sender war bis zum Regimewechsel in Belgrad im Oktober des letzten Jahres vor allem auf die Hetzkampagne gegen die montenegrinische reformorientierte Führung konzentriert. Seitdem wirkt er als regierungsnaher TV-Sender mit einer zunehmenden Zahl von Unterhaltungsprogrammen, was sein Weiterbestehen erleichtern könnte.

Tageszeitung "Borba"

Auch die Tageszeitung "Borba" hatte in den letzten zehn Jahren mehrere Wandlungen erlebt. Die gleichnamige regimekritische Tageszeitung, die erste dieser Art in Jugoslawien, war 1994 vom Regime übernommen worden. Bis zum vorjährigen Regimewechsel stand das Blatt mit geringer Auflage (etwa 3.000 Exemplare) unter starkem Einfluss der neokommunistischen JUL-Partei und diente wie im früheren Jugoslawien erneut als Pflichtlektüre von Militärs und föderalen Staatsbeamten.

Presseagentur "Tanjug"

Ein mehr als zehnjähriges Hinsiechen kennt auch die Presseagentur Tanjug, die inzwischen auf dem heimischen Markt durch die Presseagenturen BETA, Fonet, SRNA und die montenegrinische Montena-fax starke Konkurrenz erhalten hat. Die Agentur hat seit Jahren finanzielle, technische und personelle Probleme. Wie alle anderen staatlichen Medien leidet auch sie daran, zu viele Mitarbeiter zu beschäften und von einer unfähigen Geschäftsführung geleitet zu werden.

Neuerdings war in der Agentur inoffiziell zu hören, dass eine Halbierung der Beschäftigtenzahl von 400 auf 200 geplant sei. Das Wertvollste, was die Agentur zur Zeit auf dem Markt anbieten könne, sei ihr Geschäftsgebäude im Belgrader Stadtzentrum. (APA)

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