Schweiz: Türkischer Ex-Botschafter schoss auf Demonstranten

2. November 2001, 15:46
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Bei Kundgebung vor Botschaft wurde 1993 ein Kurde getötet

Bern - Der ehemalige türkische Botschafter in der Schweiz hat zugegeben, im Juni 1993 bei der Schießerei vor der Botschaft in Bern geschossen zu haben. Kaya Toperi sagte der türkischen Tageszeitung "Hürriyet" auch, die Sicherheitsleute hätten in die Schweiz geschmuggelte Maschinenpistolen benutzt. Er habe eine ganze Ladung Schüsse in die Luft abgegeben, zitierte "Hürriyet" Toperi am Montag. Damit habe er die Demonstrierenden aufschrecken wollen, die einen Wächter der Botschaft mit Baseball-Schlägern traktieren wollten.

Beziehung Schweiz-Türkei abgekühlt

Bei der Schiesserei am 24. Juni 1993 wurde ein kurdischer Demonstrant durch Schüsse aus der Botschaft getötet. Danach kühlten die Beziehungen zwischen der Schweiz und der Türkei ab. Ankara zog Botschafter Toperi zurück, nachdem die Schweizer Behörden die Aufhebung seiner Immunität verlangt hatten. Im Gegenzug verlangte die Türkei die Abberufung vom Schweizer Botschafter. Erst anderthalb Jahre nach der Schiesserei tauschten die beiden Länder wieder Botschafter aus.

"Interne türkische Angelegenheit"

Für das Eidg. Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) handelt es sich bei den Aussagen von Toperi um eine "interne türkische Angelegenheit", wie EDA-Sprecherin Muriel Berset Kohen gegenüber der Nachrichtenagtur sda sagte. Noch offen ist, welche rechtlichen Konsequenzen die Aussagen Toperi haben. Die Bundesanwaltschaft prüft jedenfalls, ob ein Verfahren aufgenommen werden muss, wie Sprecher Hansjürg Mark Wiedmer auf Anfrage sagte. (APA/sda)

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