Warnung vor Anschlägen mit radioaktivem Material

2. November 2001, 15:06
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Atomreaktoren werden überprüft

Berlin - Der Informationsdirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO), David Kyd, hat vor dem Missbrauch radioaktiven Materials durch Terroristen gewarnt. In den vergangenen Jahren sei ein regelrechter Schwarzmarkt für radioaktive Stoffe entstanden, sagte Kyd sagte am Freitag im DeutschlandRadio Berlin. "In den vergangenen zehn Jahren haben wir ein paar hundert Fälle aufgedeckt, in denen radioaktives Material auf dem Schwarzmarkt aufgetaucht ist und die Täter anschließend geschnappt wurden. Wie viele tatsächliche Fälle es gegeben hat, weiß niemand."

Beunruhigend sei die Tatsache, dass bereits eine geringe Menge ausreiche, um es einer herkömmlichen Bombe beizumischen, um daraus eine "schmutzige Bombe" zu fertigen. Dabei handle es sich nicht um Atombomben, doch könne ein solcher Anschlag Radioaktivität freisetzen und zu Panik unter der Bevölkerung führen, sagte Kyd. Besonders in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion seien Kliniken und Labors oft unzureichend gegen Diebstahl gesichert.

Anschläge auf Atomreaktoren, bei denen nach dem Muster der Anschläge vom 11. September entführte Passagierflugzeuge in ein Gebäude gesteuert würden, seien zwar weniger wahrscheinlich, aber nicht auszuschließen, sagte Kyd. Gegenwärtig prüfe die IAEO, wie gut die Reaktoren dagegen geschützt seien. Die Betonhüllen seien zwar so konzipiert, dass sie dem Angriff eines Flugzeuges der Luftwaffe, das etwa 20 Tonnen wiege, standhielten. "Ein vollgetanktes Großraumflugzeug wiegt etwa das Zehnfache. Seit dem 11. September müssen die Experten jetzt kalkulieren, ob die Hüllen auch in solch einem Fall ausreichen", sagte Kyd weiter. Viel wahrscheinlicher als ein solcher Anschlag sei jedoch Sabotage von Innen: "Leute, die die Sache studiert haben, könnten sehr wohl versuchen, in ein Kernkraftwerk einzudringen um zu sabotieren." (APA/dpa)

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