Enorme Marktchancen für erneuerbare Energieträger

2. November 2001, 16:56
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Landwirtschaftsministerium: Beitrag zur Energieversorgung könnte um 75 Prozent gesteigert werden

Wien - Der Beitrag erneuerbarer Energieträger an Österreichs Stromversorgung könnte in den kommenden neun Jahren um bis zu 75 Prozent gesteigert werden. Voraussetzung ist, dass durch politische Steuerungsmaßnahmen den erneuerbaren Energieträgern volle Wettbewerbsfähigkeit zugestanden wird. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die die Technische Universität Wien im Auftrag des Umwelt- und Landwirtschaftsministeriums sowie des Wirtschaftsministeriums durchgeführt hat.

Derzeit kommen jährlich 23 Petajoule Energie aus Sonnenkollektoren, Wärmepumpen, Fotovoltaik, Windkraft, Geothermik, Kleinwasserkraftwerken und Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen für Biomasse und Biogas. Weiters werden rund 100 Petajoule Biomasse eingesetzt, beispielsweise in Form von Scheitholz, Hackschnitzeln oder Biodiesel. Im Rahmen der Studie wurden die Marktchancen für erneuerbare Energieträger erhoben und drei Szenarien für ihre Entwicklung in Österreich bis zum Jahr 2010 entwickelt.

Biomasseeinsatz könnte verdoppelt werden

Im günstigsten Fall könnte demnach der Biomasseeinsatz verdoppelt und der Beitrag der übrigen Energieträger und -technologien von 23 auf 65 Petajoule gesteigert werden. Insbesondere in der Wärmeversorgung könnten erneuerbare Energieträger enorm Marktanteile gewinnen. Die Stromerzeugung aus Kleinwasserkraftwerken und Ökostromanlagen könnte von derzeit 16 auf 41 Petajoule erhöht werden. Das wäre laut Landwirtschaftsministerium ein wichtiger Beitrag zur Erreichung des in einer neuen EU-Richtlinie vorgegebenen Ziels, 78 Prozent des Stroms in Österreich bis zum Jahr 2010 aus erneuerbaren Energieträgern zu erzeugen. Letztlich könnte die Produktion von Biotreibstoff der TU- Studie zufolge von ein auf vier Petajoule erhöht werden.

Um alle diese Potenziale auszuschöpfen und die volle Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Technologien zu erreichen, sind aber eine Reihe von Anstrengungen notwendig, heißt es in der Studie. In der Wärmeerzeugung wären das finanzielle Anreize in Form von Investitionszuschüssen, bei der Stromerzeugung sei der Tarif für die Einspeisung ins Netz das entscheidende Kriterium. Zur gezielten Förderung spezifischer Technologien schlägt die Studie auch die zeitlich limitierte Einrichtung von Kompetenzzentren vor.

Den möglichen Einsatz erneuerbarer Energieträger in Gewerbe und Industrie soll weiters eine detaillierte Marktanalyse erheben. Weiteren Forschungs- und Entwicklungsbedarf sehen die Autoren bei kombinierten Heizsystemen - etwa bei Holz-/Solaranlagen für Heizung und Warmwasserbereitung - und bei Anlagen zur dezentralen Stromerzeugung. Die öffentliche Verwaltung sollte durch die Berücksichtigung von externen Kosten bei der Vergabe öffentlicher Aufträge sensibiliert werden. Außerdem wäre die Abwicklung der Förderungen zu vereinfachen und vereinheitlichen. (APA)

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