Ferrero-Waldner: Keine Afghanistan- Vermittlungsmission

2. November 2001, 10:22
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Treffen mit dem turkmenischen Präsidenten kurzfristig abgesagt

Aschchabad/Wien - Außenministerin Benita Ferrero-Waldner möchte ihre gegenwärtige Zentralasien-Reise nicht als "Vermittlungsmission" im Konflikt um Afghanistan verstanden wissen. Es gehe darum, den Ländern der Region zuzuhören und Informationen aus erster Hand zu bekommen, sagte die Ministerin am Freitag laut einer Außenamtssaussendung vor Journalisten in der turkmenischen Hauptstadt Aschchabad. "Österreich hört als Freund zu und sucht als Freund nach Lösungen für alle Betroffenen", betonte sie und hob hervor, dass die Situation in Afghanistan "mit großer Sorge" verfolgt werde.

Das geplante Treffen der Außenministerin mit dem turkmenischen Staatspräsidenten Saparmurad (Turkmenbaschi) Nijasow wurde von turkmenischer Seite wegen dessen schlechten Gesundheitszustandes kurzfristig mit Bedauern abgesagt.

Das Ziel ihrer Besuche in Zentralasien, die sie mit dem amtierenden EU-Ratspräsidenten, dem belgischen Außenminister Louis Michel, abgestimmt habe, sei es, "von den unmittelbar betroffenen Ländern der Region zu hören, wie sie sich die Zukunft Zentralasiens und Afghanistans vorstellen". "Wenn wir uns Informationen nicht direkt in der Region suchen, erfahren wir künftige Entwicklungen nur auf Umwegen", sagte die Bundesministerin, die sich vor ihrer Ankunft in Turkmenien in Kirgisien aufgehalten hatte.

Konflikt wird lange dauern

Nach Ansicht der Gesprächspartner Ferreros in den beiden früheren Sowjetrepubliken wird der Konflikt um Afghanistan noch lange dauern. "Um eine humanitäre Katastrophe abzuwenden, muss das Regime der Taliban möglichst schnell ersetzt und eine alle ethnischen Gruppen einschließende politische Alternative gefunden werden", so Benita Ferrero-Waldner. Die Ministerin war sich laut Aussendung mit ihren Gesprächspartnern darin einig, dass "jede zukünftige Regierung in Afghanistan auf die örtlichen Traditionen aufbauen muss".

Geplant ist neben weiteren Besuchen in Usbekistan und Tadschikistan auch ein Treffen mit Führern der afghanischen Nordallianz, die die international anerkannte Regierung des Präsidenten Burhanuddin Rabbani stellt. Im März hatte Außenminister Abdullah Abdullah Österreich besucht und den Westen davor gewarnt, die ultra-fundamentalistischen Taliban zu unterschätzen. Diese gefährdeten die Stabilität in Zentralasien und damit auch die Sicherheit Europas, hatte Abdullah in Wien betont. Er bedauerte, in Europa keine Resonanz zu finden. (APA)

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