Hirschmann sieht "Sehnsucht nach dem Ende der Amtszeit"

2. November 2001, 09:24
11 Postings

Heftige Kritik an Klestil aus der ÖVP

Wien - Während Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider bereits das dritte Mal in Libyen weilt, um mit Revolutionsführer Muammar Gaddafi zusammenzutreffen, und Außenministerin Benita Ferrero-Waldner Kirgisien bereist, herrscht in Österreich Erregung um ein angebliches Geheimdokument aus dem Außenamt, das von News in Umlauf gebracht wurde. Ein vermeintlicher "Spitzendiplomat" erhebt darin schwere Vorwürfe gegen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, der mit seinen Auslandsaktivitäten den Bundespräsidenten brüskiere und Österreich blamiere.

Botschafter Wolfgang Schallenberg vom Außenministerium hält das Papier schlicht für eine Fälschung. Die Urheberschaft eines "ranghohen Beamten" sei höchst unwahrscheinlich, da man diesen schnell ausfindig machen könnte. Bundeskanzler Schüssel selbst wollte dazu nicht Stellung nehmen: "Ich kenne kein Papier."

In der ÖVP reagierte man auf die Veröffentlichung empört. Ihr außenpolitischer Sprecher Michael Spindelegger meinte: "Das, was in diesem Dossier behauptet wird, ist nicht einmal mit einer Silbe wahr." Schüssel und Ferrero-Waldner seien im Ausland geachtet und geschätzt. ÖAAB-Generalsekretär Walter Tancsits sprach von einer "schlechten Fälschung". "Hier waren offensichtlich zwei Herren am Werk, denen ihre persönliche Eitelkeit leider offenbar wichtiger ist als ihr Beruf und das Ansehen Österreichs in der Welt." Gemeint sind Bundespräsident Klestil und News-Chefredakteur Alfred Worm. "Es ist bedauerlich, dass der Bundespräsident offensichtlich den von ihm selbst betonten hohen moralischen Ansprüchen an das Amt und seine Funktion nicht gerecht wird."

Hirschmann: "Sehnsucht nach dem Ende der Amtszeit"

Der steirische VP-Landesrat Gerhard Hirschmann ist überzeugt, dass sich "viele nach dem Ende der Amtszeit dieses Bundespräsidenten sehnen" und ortet bei Klestil ein grundsätzliches Problem: "Jemand, der von seinem Amt und seiner Ausführung durch die eigene Person derart ergriffen ist, hat natürlich ein schwere Handicap."

Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer sprach sich dagegen aus, dass innenpolitische Scharmützel auf dem Feld der Außenpolitik ausgetragen werden. "Ich halte überhaupt nichts von den Eifersüchteleien in diesem Bereich." Die höchsten Repräsentanten sollten zusammen- und nicht gegeneinander arbeiten. (DER STANDARD, Print- Ausgabe, 2. 11. 2001)

Share if you care.