US-Kampfbomber greifen Front nördlich von Kabul an

2. November 2001, 14:32
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Taliban nehmen 25 Anhänger des Königs fest - Exekution geplant

Kabul - US-Langstreckenbomber vom Typ B-52 haben am Freitag einen der bisher heftigsten Angriffe gegen Taliban-Stellungen an der Front nördlich der afghanischen Hauptstadt Kabul geflogen. Die Angriffe wurden nach Berichten der Nordallianz offenbar von amerikanischen Einsatzgruppen am Boden dirigiert. Gewaltige Detonationen zerrissen die Luft über den Taliban-Stellungen. Deren Flugabwehrfeuer verfehlte die US-Kriegsflugzeuge. Ziel weiterer Angriffe waren Kabul, die Taliban-Hochburg Kandahar und die strategisch wichtige Stadt Mazar-i-Sharif im Norden.

Koordination zwischen den USA und der Nordallianz

Das schwere Bombardement schien Teil der engeren Koordination zwischen den USA und der Nordallianz zu sein, mit dem Ziel, die Front in Richtung Kabul zu durchbrechen, bevor der herannahende Winter Bodenoffensiven erschweren. Auf den Bergspitzen am Rand der Shomali-Ebene war am Freitag Neuschnee zu sehen. Die Zahl der Bombeneinschläge wurde bis Mittag auf 60 geschätzt.

US-Verteidigungsminister Rumsfeld bestätigte, dass eine kleine Gruppe von Elitesoldaten in Afghanistan Ziele für die Angriffe der US-Bomber und der Bodentruppen der Nordallianz ausspäht. Ihre Stärke soll zwischen 100 und 200 Mann betragen. "Ich würde es gerne sehen, wenn sich ihre Zahl verdreifacht oder vervierfacht, sobald es menschlich nur irgendwie möglich ist", sagte Rumsfeld, der am Freitag zu einer Reise nach Russland und Zentralasien aufbrechen sollte. Rumsfeld verteidigte außerdem die Verwendung von Streubomben. Diese würden an der Front eingesetzt, um Soldaten der Taliban und Kämpfer der Organisation von Osma bin Laden, El Kaida, zu töten, erklärte er.

25 Anhänger Karsais gefangengenommen

In der Nacht lieferte sich eine Gruppe von Taliban-Gegnern, die für die Rückkehr des Ex-Königs Mohammed Zahir Schah kämpfen, ein Gefecht mit Taliban-Truppen in der Provinz Urusgan, wie die Taliban-Nachrichtenagentur Bakhtar meldete. Der Anführer Hamid Karsai sei mit Hilfe US-amerikanischer Hubschrauber entkommen, doch seien zwei seiner Anhänger getötet und hunderte neue Gewehre erbeutet worden. Die in Pakistan etablierte Nachrichtenagentur AIP meldete ergänzend, 25 Anhänger Karsais seien gefangen worden. Der Befehl für ihre Hinrichtung sei bereits erlassen.

Das Pentagon teilte unterdessen mit, dass die Farbe der über Afghanistan abgeworfenen Nahrungsmittelpakete geändert werde, damit diese nicht mit nicht explodierten Bomben verwechselt werden könnten. Generalstabschef Richard Myers erklärte am Donnerstag (Ortszeit) in Washington, die USA hätten bereits Flugblätter über Afghanistan abgeworfen, um auf den Unterschied zwischen den Bomben und den Paketen hinzuweisen. Zusätzlich werde auch die Farbe der Pakete geändert. Hilfsorganisationen hatten beklagt, besonders Kinder könnten nicht explodierte Bomben mit den gelb verpackten Lebensmittelrationen verwechseln.

Pakistanische Geheimdienstagenten sollen für Taliban arbeiten

Nach Angaben der Nordallianz, die die international anerkannte Regierung des Präsidenten Burhanuddin Rabbani stellt, unterstützt der pakistanische Geheimdienst ISI weiter die Taliban-Miliz. Es gebe "viele Geheimdienstagenten", die sich der Sache der Taliban und des Islamistenführers Osama bin Laden "vollkommen verschrieben" hätten, sagte Außenminister Abdullah Abdullah in Jabal Saraj.

Die Taliban haben ein Treffen der inhaftierten westlichen Mitarbeiter der Hilfsorganisation "Shelter Now" mit einem pakistanischen Anwalt untersagt. Der Sprecher des US-Außenministeriums, Richard Boucher, sagte in Washington, dem Anwalt sei jedoch versichert worden, es gehe den acht Häftlingen - vier Deutsche, zwei US-Amerikanerinnen und zwei Australier - gut. Über den Verlauf ihres Prozesses gebe es keine neuen Informationen. Die Hilfsorganisation teilte mit, sie habe seit zehn Tagen keinerlei Informationen mehr von den Gefangenen erhalten, weil wegen der Angriffe der USA alle Telefonleitungen unterbrochen seien. Der Prozess sei auf unbestimmte Zeit ausgesetzt worden. Den acht ausländischen Mitarbeitern wird wegen christlicher Missionierung in Kabul der Prozess gemacht. (APA)

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