Innsbrucker Forscher entwickeln Technik zur Beobachtung der Lungenbläschen

1. November 2001, 22:00
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Fluoreszenzfarbstoff ermöglicht Einblick in die 300 Millionen Alveolen der menschlichen Lunge

Innsbruck - Eine Technik zur Beobachtung der Vorgänge in den Lungenbläschen (Alveolen) haben Innsbrucker Forscher entwickelt. Das Geschehen in den Alveolen kann damit erstmals unter Laborbedingungen sichtbar gemacht werden.

Nach den Angaben von Univ.-Prof. Paul Dietl vom Institut für Physiologie der Universität Innsbruck gab es bisher keine Methode, mit der die Freisetzung von Surfactant aus den 300 Millionen Lungenbläschen beobachtet werden konnte. Surfactant ist eine Substanz in der Lunge, die schädigendes Material aus der eingeatmeten Luft abhalten kann und die Abwehrfunktion der Lunge stärkt.

Die Methode

Das Innsbrucker Team entwickelte auf der Basis langjähriger Forschungen eine Methode, mit der die Freisetzung des Surfactant in dafür spezialisierten Zellen im Mikroskop sichtbar gemacht und somit in lebenden Zellen beobachtet werden kann. Möglich ist dies durch einen Fluoreszenzfarbstoff, der Surfactant genau dann anfärbt, wenn es aus den Lungenbläschen freigesetzt wird.

"Wir bekommen dadurch Einblicke in das genau gesteuerte und komplizierte System des Einatmens", sagte Dietl. Die Forschungsergebnisse stellen für eine Reihe von Krankheiten, die mit dem Atmen zusammenhängen, eine Hoffnung dar. Als Beispiel nannte der Experte unter anderem das lebensgefährliche Neugeborenen-Atemnotsyndrom, bei dem die Surfactant-Freisetzung durch eine Unreife der Lunge fehlt oder sehr mangelhaft ist.

Surfactant-Freisetzung

Zukunftshoffnung seien dabei Medikamente, die den Prozess der Surfactant-Freisetzung direkt in der Lunge steuern könnten. Da jede Störung dieser Art zu einer Kettenreaktionen weiterer Beeinträchtigungen der Lunge führen könne, biete die neue Methode auch neue Ansätze für die Behandlung chronischer Atemwegserkrankungen, wie Asthma oder der Raucherlunge, sagte Dietl.

Surfactant wurde 1929 vom Schweizer Wissenschafter Kurt Neergard entdeckt. Seit in den 50er Jahren der Nachweis gelang, dass diese Extrakte die Lungenbläschen vor dem Kollaps schützen können, wird Surfactant erforscht. Vor den Forschungsergebnissen des Innsbrucker Teams war keine derart genaue Messung der Surfactant-Freisetzung und keine direkte Beobachtung möglich. (APA)

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