WHO verschärft Kampf gegen das Rauchen

2. November 2001, 12:23
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Internationales Verbot der Tabakwerbung gefordert - "Freiwillige Selbstkontrolle" der Konzerne gescheitert - Indien verbietet öffentliches Rauchen

Genf/Neu Delhi - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat nachdrücklich eine internationale Initiative zum Verbot von Tabakwerbung gefordert. Die von den Tabakkonzernen angebotene freiwillige Selbstkontrolle sei gescheitert, erklärte WHO- Generaldirektorin Gro Harlem Brundtland am Donnerstag in Genf. Die WHO warf den Konzernen vor, massive Lobby-Arbeit gegen gesetzliche Restriktionen betrieben zu haben.

So hätten die Konzerne gemeinsam den Regierungen, den Vereinten Nationen und der Weltbank angeboten, selbst dafür zu sorgen, dass ihre Werbung nicht auf Nichtraucher und Jugendliche abzielt. "Es ist in der Werbung unmöglich, zwischen einem 19-Jährigen und einem 17- Jährigen zu unterscheiden", erklärte die WHO hierzu. Die Tabakwerbung wende sich zwar nach eigenen Verlautbarungen an die 18- bis 24- Jährigen, sei aber gerade auch für Jugendliche attraktiv, hieß es.

Hintergrund

Die Zahl der Raucher nimmt nach Angaben der WHO weltweit zu. 1999 starben demzufolge schätzungsweise vier Millionen Menschen an ihrem Tabakkonsum, für das 2000 geht die UNO-Behörde von 4,2 Millionen Tabakopfern aus. Schweden, Finnland, Kanada, Australien, Neuseeland, Südafrika und Thailand haben mittlerweile die freiwillige Selbstkontrolle der Tabakkonzerne durch generelle Werbeverbote ersetzt.

Die WHO setzt sich für einen weltweiten Tabakkontroll-Vertrag ein, der bis 2003 in Kraft treten soll. Vertreter von 191 Staaten wollen noch in diesem Monat ihre Verhandlungen zu dem Vertragswerk fortsetzen.

Indien verbietet öffentliches Rauchen

Rauchen in der Öffentlichkeit ist in Indien künftig verboten. Das höchste Gericht in Neu Delhi ordnete am Freitag an, den blauen Dunst aus Krankenhäusern, Schulen und Hochschulen, Bibliotheken, Gerichten und öffentlichen Verkehrsmitteln zu verbannen. Das berichtete die indische Nachrichtenagentur UNI.

In Indien rauchen vor allem Männer. Neben Zigaretten werden "Bidis", aus Tabakstaub gedrehte Mini-Zigarren, sowie Wasserpfeifen geraucht. In Indien sterben jährlich schätzungsweise 800.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums.

Die Richter urteilten nach einem "im öffentlichen Interesse" gestellten Antrag. Solche Anträge kann in Indien jeder stellen, wenn das Gericht ihnen folgt, hat sein Urteil Gesetzeskraft. Auf diese Weise haben die Richter die Regierung unter anderem gezwungen, drastisch gegen die Luftverschmutzung in der Hauptstadt Neu Delhi vorzugehen. (APA/dpa)

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