Kofi Annan: "Die Ärmsten am meisten von Terrorfolgen betroffen"

1. November 2001, 19:52
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UN-Generalsekretär plädiert bei Weltforum für Beschäftigung für Schaffung von Arbeitsplätzen für Jugendliche

Genf - Nach Ansicht von UNO-Generalsekretär Kofi Annan sind die Wirtschaften der ärmsten Länder am meisten von den Folgen des 11. September betroffen. Annan plädierte am Donnerstag in Genf für die Schaffung von Arbeitsplätzen für Jugendliche, von denen dutzende Millionen arbeitslos sind.

Vor 700 Teilnehmern eröffnete Annan am Sitz der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) das Weltforum über die Beschäftigung. Die Attacken in den USA hätten die Welt unsicherer gemacht und die Notwendigkeit, dass die internationale Gemeinschaft zusammenarbeite, sei noch grösser geworden, sagte der UNO-Generalsekretär.

Das Ziel des letztjährigen Millennium-Gipfels zur Reduktion der weltweiten Armut um die Hälfte bis zum Jahre 2015 werde noch schwieriger zu erreichen sein. Weitere Millionen Menschen würden mit der Armut konfrontiert, sagte der Friedensnobelpreisträger.

Jobs für junge Leute

Er drückte den Wunsch aus, dass die Schaffung von Jobs für Junge im Zentrum der Politik stehen solle. Rund 66 Millionen Jugendliche sind ohne Arbeit, das sind 10 Millionen mehr als 1995. Sie machen 40 Prozent aller Arbeitslosen der Welt aus. Annan unterstrich, dass die Weltwirtschaft in den nächsten zehn Jahren 500 Millionen neue Stellen in den Entwicklungsländern schaffen müsse.

ILO-Generaldirektor Juan Somavia nahm den Gedanken auf und verlangte ein koordiniertes Massnahmenpaket, um die Konjunktur zu stimmulieren. Im kommenden Jahr sind gemäß ILO-Angaben wegen der Rezession 24 Millionen Arbeitsplätze gefährdet.

Stärkerer sozialer Schutz

Außerdem forderte Somavia einen stärkeren sozialen Schutz, damit das Vertrauen der Konsumenten bewahrt werden könne. 80 Prozent aller Menschen im Arbeitsalter hätten nicht einmal Zugang zu einem minimalen sozialen Schutz, hob der ILO-Generaldirektor hervor. Er plädierte für eine Ablehnung von Isolationismus und Protektionismus. Ein Erfolg der Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation WTO in Katar dürfte reelle Gelegenheiten für die Entwicklungsländer schaffen.

Zusätzliche Kredite

Man müsse diesen Staaten mit einem Schuldenerlass und zusätzlichen Krediten helfen. "Das Schlimmste wäre, im Norden expansionistische und im Süden Austeritätsmaßnahmen zu ergreifen", sagte Somavia. Auch Bundesrat Pascal Couchepin, der dänische Premierminister Poul Rasmussen und der chinesische Arbeitsminister Zhang Zuoji betonten den sozialen Aspekt der Krise. Das Weltforum für Beschäftigung soll noch bis zum Samstag dauern. (APA)

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    U.N. CHIEF KOFI ANNAN

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