Shoppen und Beten in Linzer City

1. November 2001, 19:12
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Das neue Atrium-Citycenter soll der Linzer Innenstadt im Kampf gegen Konsumtempel am Stadtrand helfen

Beten, Shoppen und Arbeiten - und das in einem einzigen Gebäudekomplex. Im neu eröffneten Atrium-Citycenter in der Linzer Innenstadt ist genau das möglich. Im Geschäftsbereich soll das neue Haus zu einer weiteren Belebung der City beitragen, auf dem Bürosektor markiert es den Beginn einer Neubauwelle, die in den kommenden Jahren den Anbietern veralteter Flächen das Leben schwerer machen könnte.

10.500 Quadratmeter vermietbare Fläche bietet das Center insgesamt. Aufgeschlüsselt nach Bereichen, entfallen 4500 davon auf Geschäfte, 3000 auf ein Fitnesscenter, 2500 Quadratmeter stehen für Büros zur Verfügung und 500 für Gastronomiebetriebe.

Die Büroflächen sind an die Werbeagentur Reichl und Partner sowie eine Rechtsanwaltskanzlei vergeben. Zu den anderen Mietern zählen die Supermarktkette Merkur, die sich im gesamten Untergeschoß befindet, die Modeanbieter Schöps, Lacoste und Casa Moda, der Drogeriemarkt Bipa, aber auch ein Autohaus.

Da der Besitzer des von Architekt Alois Landrichtinger geplanten Gebäudes der Karmeliter-Konvent ist, hat das Haus auch einen spirituellen Nahversorger zu bieten: Ein eigener Besinnungsraum steht zur Verfügung, wo man auch Informationsmaterial erhält. Mit den Einnahmen aus dem Projekt will der Konvent übrigens sowohl die Arbeit in Österreich als auch soziale und pastorale Vorhaben in Afrika, Lateinamerika und Asien unterstützen.

Innenstadt

Im Kontext des Entwicklungskonzepts für die Innenstadt soll das Atrium neue Impulse setzen, erhofft sich der Bauherr. Gemeinsam mit dem über den so genannten Arenaplatz erreichbaren, zur Gerngross-Gruppe gehörenden Passage-City-Center, soll parallel zur traditionsreichen Landstraße eine zweite Einkaufsachse entstehen. Auch die Mozartstraße, eine Querstraße zur Landstraße, soll durch das neue Center aufgewertet werden.

Vor Umbruch bei Büros

Mit den 2500 Quadratmetern Bürofläche im neuen Gebäude wird auch der Druck auf den Markt stärker. Das Angebot sei in Linz derzeit größer als die Nachfrage, auch wenn die Preise in der Vergangenheit leicht gestiegen sind, wissen Insider. Mangel herrscht aber an guten Lagen. Derzeit zahlt man 110 bis 120 Schilling netto pro Quadratmeter für Toplagen mit entsprechender Verkehrsanbindung und Parkplatzausstattung.

Bedarf besteht vor allem an mittelgroßen, erweiterungsfähigen Flächen. Großes Interesse gibt es im Bereich von 150 bis 250 m², gerade bei der IT-Branche. Der Versuch, auf dem Voest-Gelände einen 160 Meter hohen Büroturm mit 36.000 m² Fläche zu errichten, scheiterte im Vorjahr, nachdem der Hauptmieter das Interesse verloren hatte.

Altbauten

Dennoch könnte der Branche in Linz mittelfristig ein Umbruch ins Haus stehen. Denn viele Büros sind noch immer in Altbauten untergebracht, die sich oft schwer ausbauen lassen. In den kommenden Jahren stehen aber einige Neubauten an. So werden in dem Erweiterungsbau der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich am Südbahnhof 3000 Quadratmeter fremdvermietet.

Die größte Baustelle der oberösterreichischen Landeshauptstadt, das Bahnhofsviertel, wird ebenfalls zur Umstrukturierung beitragen. Einerseits werden in einem eigenen "Dienstleistungscenter" des Landes mehrere Stellen zusammengefasst, wodurch in der Innenstadt Flächen frei werden. Andererseits errichten die Bundesbahnen gemeinsam mit dem neuen Hauptbahnhof auch einen fünfgeschoßigen eigenen Bürokomplex.

Dieses Projekt wird den Druck auf Altimmobilien in der Innenstadt zusätzlich erhöhen, sind sich Experten sicher. Denn neben der mangelnden Flexibilität bei der Flächenvergrößerung ist besonders die Parkplatznot ein Problem. (DER STANDARD, Print, 2.11.2001)

Michael Möseneder
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