Salzburg: Neugestaltung des Makartplatzes ist weiter heftig umstritten

1. November 2001, 19:07
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Bürgerbefragung "Steinwüste"

Salzburg - Die für diverse Grotesken fallweise sogar über die Stadtgrenzen hinaus bekannt gewordene Kommunalpolitik der Landeshauptstadt Salzburg ist um eine Facette reicher: Eine Hand voll Magnolienbäume und ein kleines, vorwiegend von Hunden "benutztes" Rasenstück ist Gegenstand einer von der FPÖ initiierten Bürgerbefragung. Mit dieser wollen die Freiheitlichen die Umgestaltung des Makartplatzes in der Altstadt verhindern und die Grünfläche in der Platzmitte erhalten.

Begonnen hat die Posse um den Makartplatz mit dem - übrigens auch von der FPÖ mitgetragenen - Beschluss, unter dem Platz eine Tiefgarage zu errichten. Den Wettbewerb zur Oberflächengestaltung gewann der Wiener Architekt Boris Podrecca. Sein Plan sieht vor, den Platz zwischen Landestheater, Hotel Bristol, Mozarts Wohnhaus und der Dreifaltigkeitskirche nach dem Vorbild italienischer Städte zur Gänze zu pflastern. Damit sollte der Platz, der jetzt einem überdimensionierter Kreisverkehr samt Grünfläche gleicht, urbane Erfordernisse erfüllen. Als Gestaltungselemente waren ein offener Wasserlauf und quaderförmige Grünelemente vorgesehen.

Nach Bekanntwerden des Entwurfs wurden Proteste gegen die "Steinwüste" laut, und die FPÖ begann für eine Bürgerbefragung zu mobilisieren. Am Mittwoch legten die Freiheitlichen mit rund 4000 Unterschriften die doppelte Zahl der zur Durchführung einer Bürgerbefragung notwendigen Unterschriften vor. Die laut Stadtrecht nicht bindende Befragung wird voraussichtlich im Jänner über die Bühne gehen.

Bei den anderen Fraktionen hat inzwischen eine Absetzbewegung vom Podrecca-Projekt begonnen. Als erster Schritt wurde der Architekt mit einer Umplanung beauftragt. Die FPÖ, die nach Jahren der kommunalpolitischen Absenz wieder ein Thema gefunden hat, gibt sich damit freilich nicht zufrieden. Sie verlangt den Rückzug Podreccas. Kann die FPÖ ihren Willen nicht durchsetzen, droht sie sogar, die vom Handel seit Jahren geforderte Tiefgarage in Frage zu stellen.

Salzburgs Grüne wiederum verlangen nun, obwohl sie ursprünglich auch für die Garage gestimmt hatten, alles abzublasen. Sie wollen einen verkehrsberuhigten Makartplatz. (neu/DER STANDARD, Print, 2.11.2001)

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