Weiblich, jung, ledig - die erste Polizeidirektorin Österreichs

1. November 2001, 18:52
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von Michael Simoner

"Na endlich", sagt Michaela Pfeifenberger dazu, dass heute Österreichs erste Frau ein Amt als Polizeidirektorin antritt - sie selbst nämlich. Mit 29 Jahren ist sie noch dazu die jüngste Polizei-Spitzenrepräsentantin aller Zeiten. Das "neue Leben" der unverheirateten Salzburgerin beginnt in der Polizeidirektion Schwechat. Ihr Vorgänger Franz Schnabl wechselte als Stadthauptmann nach Wien-Simmering.

Leicht wird es die Juristin nicht haben. Nicht nur in Kreisen des Exekutive wird bemängelt, dass die neue Frau Polizeidirektor null Erfahrung in praktischer Polizeiarbeit habe. "Stimmt", gibt Pfeifenberger ein wenig traurig zu. Aber sie wollte immer schon Polizistin werden. Dafür spricht auch der Titel ihrer Dissertation: "Hausdurchsuchungen zum Zwecke der Gefahrenabwehr nach dem Sicherheitspolizeigesetz und der Strafprozessordnung."

Doch 1996, nach ihrer Promotion, war bei den Sicherheitsbehörden einfach nichts frei. Also nahm sie eine Stelle im Büro für Frauen- und Gleichbehandlungsfragen in der Salzburger Landesregierung an. Nach weiteren Stationen bei der Bezirkshauptmannschaft Salzburg-Umgebung und in der Präsidialabteilung der Landesregierung in der Mozartstadt ereilte sie im April des Vorjahres der Ruf ins Kabinett von Innenminister Ernst Strasser (VP).

Auf dem steilen Weg nach oben blieb kaum Zeit fürs geliebte Skifahren, und auch ihr Motorrad hat sie verkauft. Angekommen in der Wiener Herrengasse ist sie dennoch genau rechtzeitig: Als Bindeglied zwischen dem Kabinett und der Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit war sie in laufende Großprojekte wie Polizeireform und Bundeskriminalamt von Anfang an eingebunden. "Ich hab' nicht nur einen Überblick, sondern den Durchblick", so die selbstbewusste Selbsteinschätzung. Nachsatz: "Aber die Mitarbeit von erfahrenen Kollegen ist mindestens genauso wichtig." Die neue Chefin setzt auf Teamgeist.

In Schwechat, einer von insgesamt 14 Bundespolizeidirektionen, ist Pfeifenberger nicht nur Herrin über fünf Wachzimmer und ein Gefangenenhaus. Zu ihrem Rayon gehört auch der Flughafen Wien-Schwechat, und der stellt landesweit eine der größten sicherheitstechnischen Herausforderungen dar. Seit den Terroranschlägen in den USA gilt am Airport die zweite von insgesamt drei Sicherheitsstufen.

Mit Pfeifenbergers Amtsantritt sind die Gerüchte, die Schwechater Polizeidirektion könnte aus Spargründen geschlossen werden, wieder in die Kiste gesperrt worden. Was bleibt, ist die Kritik, dass Strassers Personalpolitik wieder einmal parteipolitisch motiviert gewesen sei. Dabei hat die neue Polizeidirektorin gar kein schwarzes Parteibuch. Aber etwas Ähnliches: Ihr Lieblingsautor ist Karl May. (DER STANDARD, Print, 2.10.2001)

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