Weltbank ortet Rezession

2. November 2001, 15:59
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Erstmals seit 20 Jahren Abschwung in drei wichtigsten Wirtschaftsregionen USA, Japan und Europa

Washington - Die Weltwirtschaft bewegt sich nach Einschätzung der Weltbank auf eine Rezession zu. In ihrem am Mittwoch in Washington vorgelegten Jahresbericht warnte die Weltbank, das Wachstum durchlaufe gegenwärtig eine der ausgeprägtesten Abschwungsphasen der jüngeren Geschichte.

Zwar gebe es Signale für eine mögliche Erholung gegen Mitte 2002, doch seien die Risiken dafür, dass die Erholung nicht eintrete, die größten seit einem Jahrzehnt.

Dass es überhaupt noch ein Wachstum gebe, sei auf die noch bessere Situation im ersten Halbjahr zurückzuführen. Im zweiten Halbjahr müsse in den USA mit einer Rezession gerechnet werden. Für das gesamte Jahr 2001 rechnet die Weltbank noch mit einem Wachstum von 1,1 Prozent. 2002 sollte es noch auf 1,0 Prozent zurückgehen. Erst für 2003 könne mit einem nachhaltigen Aufschwung und einem wieder ansprechenden Wachstum von 3,9 Prozent gerechnet werden.

Am düstersten fiel die Prognose für Japan aus, dessen Wirtschaft heuer um 0,8 Prozent schrumpfen, im nächsten Jahr mit einem Zuwachs von 0,1 Prozent stagnieren und erst 2003 wieder um bescheidene 2,4 Prozent wachsen werde. Für die Eurozone wird heuer ein Wachstum von 1,5 Prozent prognostiziert, das sich 2002 auf 1,3 abschwächen und 2003 dann auf 3,6 Prozent klettern werde. Für das Wachstum der Weltwirtschaft, das von heuer 1,3 Prozent auf 1,6 Prozent im kommenden Jahr und auf 3,9 Prozent steigen sollte, sei vornehmlich die Region Ostasien (ohne Japan) und Pazifik verantwortlich, deren Wirtschaft um 4,6 und 4,9 Prozent wachsen werde. Lateinamerika werde 2001 mit 0,9 Prozent kaum wachsen, sollte aber im kommenden Jahr ein Wachstum von 2,5 Prozent erreichen können.

Lob für US-Politik

Die USA lobte Chefökonom Nick Stern bei der Vorstellung des Berichts für deren wirtschafts- und fiskalpolitische Reaktion auf die Terroranschläge am 11. September. Voraussetzung für eine Besserung der US-Konjunktur wenigstens im nächsten Jahr sei aber, dass die Verbraucher, angeregt durch niedrigere Zinsen und Steuern, auch tatsächlich mehr ausgeben.

Die US-Wirtschaft ist im dritten Quartal 2001 erstmals seit mehr als acht Jahren geschrumpft und hat damit Überzeugungen verstärkt, dass sich die größte Volkswirtschaft der Welt in einer Rezession befindet. Das Bruttoinlandsprodukt sei mit einer auf das Gesamtjahr hochgerechneten Rate von 0,4 Prozent gesunken, nachdem es im zweiten Quartal noch um 0,3 Prozent gewachsen war, teilte das US-Handelsministerium mit.

Der Konjunkturindex der Nationalen Vereinigung der Einkaufsmanager (NAPM) in den USA ist im Oktober 2001 auf 39,8 Punkte von 47,0 im September weit stärker als erwartet eingebrochen. Ein Indexstand über 50 Punkten signalisiert eine Verbesserung, ein Stand unter 50 Punkten dagegen eine Verschlechterung der konjunkturellen Lage im Verarbeitenden Gewerbe.

In der Eurozone könnte das Wachstum die prognostizierten 1,5 Prozent beziehungsweise 1,3 Prozent für dieses und das kommende Jahr noch unterschreiten, warnte Stern. Zugleich forderte er die Europäische Zentralbank (EZB) auf, über ihre Antwort auf das unerwartet schwache Wachstum in der Eurozone nachzudenken. (Reuters, Bloomberg)

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