New York: Marathon der Rekorde

5. November 2001, 12:49
posten

Bei dem unter massiven Sicherheitsvorkehrunge abgehaltenen Lauf wurden bei Männern wie Frauen die Streckenrekorde gebrochen

New York - "United We Run" lautete das Motto des von einem Polizeiaufgebot geschützten New York Marathons. Am Sonntag taten dies die Läuferinnen und Läufer so schnell wie noch nie. Sowohl bei den Männern, als auch bei den Frauen wurden die Streckenrekorde gebrochen. Bei den Männern siegte der Äthiopier Tesfaye Jifar in 2:07:43 Stunden. Als erste Frau lief nach 2:24:21 Stunden die Kenianerin Margaret Okayo über die Ziel-Linie. Japhet Kosgei und Susan Chepkemei aus Kenia belegten die jeweiligen zweiten Plätze.

Der Lauf war den Opfern der Terroranschläge gegen das World Trade Center gewidmet. Ungeachtet der Furcht vor neuen terroristischen Attacken nahmen rund 30.000 Sportler aus mehr als 100 Ländern der Welt an dem traditionsreichen Marathon teil, Fernsehstationen übertrugen in 65 Ländern live. Hunderttausende Schaulustige säumten die Strecke.

Den Läufern bot sich vom ersten Streckenabschnitt aus ein ebenso großartiger wie erschreckender Blick auf die Skyline Süd-Manhattans. "Wir haben heute genauso einen strahlend blauen Himmel wie am 11. September", sagte eine 23-jährige New Yorker Läuferin. "Wenn ich nach Manhattan hinüber schaue, dorthin, wo die Zwillingstürme standen, dann werden mir fast die Knie weich."

Scharfe Sicherheitsvorkehrungen

Unübersehbar waren jedoch die massiven Sicherheitsvorkehrungen. Über der Laufstrecke kreisten Hubschrauber. Zahlreiche Straßen und Brücken waren gesperrt. Alle Aktiven mussten sich lange vor dem Startschuss persönlichen Sicherheitskontrollen unterziehen. Sie wurden mit Metalldetektoren abgesucht und mussten in einer abgesperrten Zone auf den Start warten.

Jeder einzelne Läufer wurde mit einem Sonderpass ausgestattet, der während des Rennens zu tragen war. Ihre Verpflegung durften sie nur in durchsichtigen Plastik-Tüten bei sich tragen. Alle Teilnehmer wurden unter Hinweis auf mögliche Milzbrand- oder andere Giftattacken ausdrücklich davor gewarnt, Getränke oder Obst von Schaulustigen an der Strecke entgegen zu nehmen.

Zum ersten Mal seit der Premiere des New York City Marathons vor 32 Jahren hatten die Organisatoren Listen mit den Namen und persönlichen Daten aller Teilnehmer zur Überprüfung an das FBI gegeben. Der Lauf galt als Testfall für die Sicherheitsvorkehrungen bei den Olympischen Spielen im Februar in Salt Lake City.

Hilfe im Schmerz

"Wir hatten nach den Anschlägen des 11. September lange überlegt, ob der Marathon stattfinden kann", sagte Richard M. Finn, der Sprecher des Läufer-Clubs New York Road Runners, der das Sportereignis alljährlich organisiert. "Doch wir kamen zu der Überzeugung, dass der Marathon den Menschen in New York helfen wird, mit der Tragödie fertig zu werden."

Der Lauf galt zugleich als symbolisches Gedenken für die rund 4.000 Opfer der Terroranschläge auf das World Trade Center. New Yorker Fernsehstationen überblendeten die Live-Bilder des Marathons mehrfach mit Aufnahmen von Feuerwehrleuten und Polizisten, wie sie am 11. September fluchtartig davonlaufenden Menschen halfen. Viele Marathon-Läufer wollten Sponsoren-Gelder und Spenden an die Fonds zur Unterstützung von Hinterbliebenen weitergeben. (APA/dpa)

Resultate

  • Männer: 1. Tesfaye Jifar (ETH) 2:07,43 2. Japhet Kosgei (KEN) 2:09:19 3. Rodgers Rop (KEN) 2:09:51 4. Silvio Guerra (ECU) 2:10:36 5. Hendrick Ramaala (RSA) 2:11:18 6. Jon Brown (GBR) 2:11:24 7. John Kagwe (KEN) 2:11:57 8. Joseph Chebet (KEN) 2:13:07 9. Lahoussine Mrikik (MAR) 2:13:31 10. Stephen Ndungu (KEN) 2:14:21

  • Frauen: 1. Margaret Okayo (KEN) 2:24:21 2. Susan Chepkemei (KEN) 2:25:12 3. Swetlana Zacharowa (RUS) 2:25:13 4. Joyce Chepchumba (KEN) 2:25:51 5. Esther Kiplagat (KEN) 2:26:15 6. Ludmila Petrova (RUS) 2:26:18

    Share if you care.