Zerstritten und niveaulos

2. November 2001, 18:51
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Umfrage zeigt schlechtes Image der österreichischen Parteien

Linz - Zerstritten und niveaulos - so präsentieren sich die heimischen Parteien für die meisten Österreicher. Und: Kompetente Führungsreserven sind auch nicht in Sicht. Das ist das Bild, das eine Ende Oktober durchgeführte Umfrage des Linzer market-Instituts für den STANDARD ergibt.

Dabei sind die Unterschiede für die einzelnen Parteien nur gering. Der FPÖ, die eben ihr Generalsekretariat erneuert und auch in der Regierung von Umbildungsgerüchten verfolgt wird, trauen nur 24 Prozent zu, eine "Vielzahl an kompetenten Personen" als Personalreserve zu haben. Nur bei der ÖVP ist der Wert mit 35 Prozent besser - aber auch hier ist eine klare Mehrheit von 54 Prozent skeptisch.

"Die Österreicher haben tiefes Misstrauen in die Führungsfähigkeiten der Parteien, das haben wir auch in anderen Umfragen gesehen, wo kaum einer Partei mehr attestiert wird, sich um das Land zu bemühen", sagt der Sozialforscher David Pfarrhofer, der die Studie betreut hat: "Jeder zweite Befragte ist überzeugt, dass innerhalb der Parteien auf Biegen und Brechen gestritten wird - das ist ja auch genau das Bild, das von den Medien vermittelt wird, wenn jeder unterschiedliche Zwischenton genüsslich als Riesenwirbel dargestellt wird."

Besonders deutlich wird der Dissens in der FPÖ wahrgenommen. Auffallend ist, dass selbst deklarierte Anhänger nur etwa zur Hälfte an die Geschlossenheit der Parteiführung glauben - "und das gilt ziemlich ausnahmslos für alle Parteien", merkt Pfarrhofer an.

Stärker als den anderen Parteien wird der FPÖ mangelnde Kultur im internen Umgang vorgeworfen - die relativ besten Urteile erhalten in dieser Kategorie SPÖ und ÖVP. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.11.2001)

Von STANDARD-Redakteur Conrad Seidl
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