amnesty wirft auch Nordallianz Menschen- rechtsverletzungen vor

1. November 2001, 17:44
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Taliban-Massaker an tausenden Zivilisten

London/Wien - Schwere Menschenrechtsverletzungen in Afghanistan wirft amnesty international (ai) in einem am Donnerstag in London präsentierten Bericht nicht nur den radikalislamischen Taliban, sondern auch der Nordallianz vor. Die gegen die Taliban kämpfende Nordallianz hätte sich Massenerschießungen, Folter und willkürlicher Festnahmen schuldig gemacht. Die zukünftigen Machthaber in Afghanistan sollen verpflichtet werden, die Menschenrechte zu beachten. Für begangene Verbrechen solle keine Straffreiheit gewährt werden, fordert die Menschenrechtsorganisation: "Es gibt keinen Frieden ohne Gerechtigkeit."

Massengräber und Kindersoldaten

ai liegen nach eigenen Angaben Berichte vor, wonach die Truppen der Nordallianz "Zivilisten wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit oder Zugehörigkeit zu den Taliban getötet, eingesperrt oder misshandelt" haben. Im Jahr 1997 habe man in der Nähe der Stadt Shebarghan in Nordafghanistan mehr als 20 Massengräber mit etwa 2000 Opfern gefunden. Außerdem habe die Nordallianz Kindersoldaten eingesetzt. Die Menschenrechtsorganisation kritisierte auch, dass die international anerkannte Regierung von Präsident Burhanuddin Rabbani Anfang der 90er Jahre die Einführung des islamischen Rechts mit unmenschlichen Strafen wie Amputationen oder Steinigungen in Afghanistan betrieben habe.

Taliban-Massaker an tausenden Zivilisten

Die Taliban dagegen hätten Massaker an tausenden Zivilisten begangen und Menschen gewaltsam vertrieben. Sie hielten tausende Häftlinge willkürlich fest und folterten sie, kritisierte amnesty. Frauen wären "in praktisch allen Lebenslagen ernstlich eingeengt", die Gerichte verhängten grausame und drakonische Strafen.

amnesty wünscht sich ausnahmsweise keine Amnestie

In dem Bericht, der einen Überblick über Menschenrechtsverletzungen durch die verschiedenen Machthaber in Afghanistan seit 1978 gibt, fordert ai neben der Beachtung von Grundrechten durch eine künftige afghanische Regierung auch die Aufklärung und Verfolgung aller Verbrechen: "Keine Amnestien, Begnadigungen und ähnliche Maßnahmen sollten gewährt werden, die das Aufkommen der Wahrheit verhindern würden." Alle Täter müssten "ungeachtet ihres Ranges oder sonstigen Status" vor Gericht gebracht werden.

Internationale Waffenlieferungen an die kriegführenden Gruppen in Afghanistan hätten "massive Menschenrechtsverletzungen angeheizt", kritisierte die Menschenrechtsorganisation. Die USA und ihre westeuropäischen Verbündeten, die Staaten der ehemaligen Sowjetunion, Pakistan, Saudiarabien, der Iran und die Slowakei hätten in den 80er- und 90er-Jahren Waffen geliefert. (APA)

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