Es werde bunt

5. November 2001, 22:16
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Die einzelnen Restaurants des Wiener Museumsquartiers sind eröffnet und dabei, eine Persönlichkeit auszubilden. Zweien davon gelingt das besonders gut

Vorweg muss man gratulieren, dass das mit den Lokalen in Wiens neuester Renommier-Meile dann eh relativ gut geworden ist, dass sich die Verwechselbarkeiten in Grenzen halten. Und das ohne jede Koordination, ein Argument für die Chaos-Theorie, die Evolution, den himmlischen Willen oder sonst was. Tatsache ist jedenfalls, dass Wien mit den Muqua-Lokalen keineswegs nur ein paar anständige Museums-Kantinen mit hohem Mozzarella-Aufkommen dazubekommen hat, sondern wirklich so manch Bereicherung auf dem gastronomischen Sektor erfuhr.

Zum Beispiel das "Mumok" im gleichnamigen, basaltgrauen Museum: Die Ortner-Schülerin Angela Hareitner verpasste dem Lokal ein bemerkenswertes Gesicht, indem sie den Raum mittels Glasvitrine (die Kunst enthalten soll, sobald die in der Eile vergessene Türe nachträglich eingebaut wurde) in den Bar- und den Restaurant-Bereich trennte. Dieser schwingt in einer eigenwilligen Sixties-Atmosphäre, mit Brasserie-Tischchen und vor allem dem Ton angebenden grau-türkisen Stoffdesign von Peter Kogler. Eine Kampfansage an alles, was hierzulande generell als "gemütlich" gehandelt wird, dafür aber modern, witzig und erfrischend.

Eine Philosophie, der man auch küchenmäßig Folge leisten will: Stefan Hager von der eher für ihre Cocktails bekannten Shultz-Bar setzte mit Koch Thomas Zwickl und Sous Roman Loibl nämlich auf eine Schiene, die von herkömmlicher Szene-Küche doch sehr deutlich abzweigt: Man macht auf richtiges Restaurant, und was dabei rauskommt, muss sich im Vergleich mit den anderen "jungen Wilden" Wiens keinesfalls verstecken: ein "herbstlicher Blattsalat", dessen Zutaten (schwarze Nüsse, Apfel, Feige, Mandarine und Maroni) ihn zum Advent-Salat machten (öS 90,82 / EURO 6,6), eine geniale Karotten-Ingwersuppe mit Räucherlachstartar (öS 59,17 / EURO 4,3) und ein überaus köstlicher Fischtopf mit Zitronengras und Koriander (öS 110,08 / EURO 8). Erstklassig auch der Rostbraten mit Äpfeln und Rotweinschalotten (öS 185,76 / EURO 13,50) oder der fast schon obszön weiche Kalbstafelspitz mit ein bisschen beliebigen Polenta-Morchelkrapfen (öS 185,76 / EURO 13,50). Mittags fährt man etwas bodenständiger, und an der Bar bekommt man Tapas, knusprige Kokosgarnelen oder in Sesam gebackene Putenfilets mit Bananen-Nusschutney. Qualitativ mit "Vestibül" oder "Chrinor" mehr als nur vergleichbar, und auf jeden Fall das beste Essen im Museumsquartier.

Die beste Stimmung indes, und das bei ebenfalls sehr guter Verpflegung, gibt's bei "Una" im Architekturzentrum: Was auf jeden Fall einmal am atemberaubenden, orientalischen Fliesen-Gewölbe liegt, das das Gemurmel der durchwegs künstlerisch, kulturell oder sonst wie szenemäßig beeinflussten Gäste in eine angenehme Klangmelange verwandelt. Einrichtung findet als solche kaum statt, aber dafür fehlt's nicht an provisorischem Charme. Und so warmherzig und fröhlich wie Chefin Una Abraham gestaltet sich auch ihr Küchenkonzept: Alles bleibt nachvollziehbar, Herzhaftigkeit und Geschmack sind ihr lieber als Chichi und kulinarische Kopfstände.

Das Filet von der geräucherten Forelle mit dem Berglinsensalat hat Hand und Fuß (öS 105 / EURO 7,63), Cremesuppen wie zum Beispiel die Erdäpfel-Lauch- oder die Steinpilzcremesuppe strotzen vor Kraft (öS 45 / EURO 3,27), das geschmorte Rosmarinhuhn mit Orzo macht müde Männer munter (öS 135 / EURO 9, 81). Zwei Lokale, wie sie das Museumsquartier verdient hat: verschiedenartig, unterhaltsam und entspannt beide, extrem gut besucht einstweilen vor allem das "Una".

der Standard/rondo/2.11.01

von Florian Holzer
Mumok, Museumspl. 1, 1070 Wien, (abends Zugang von der Rückseite des Museums), Tel.: 01 / 525 00-1440, Mo 18-2, Di-So 10-2 Uhr
Una, Museumspl. 1, Architekturzentrum Wien, 1070 Wien,
Tel: 01 / 523 65 66, tägl. 10-24 Uhr
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