Herrenparfüm

2. November 2001, 12:07
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+ + + PRO

Ute Woltron

Wenn alles, was ein Mann schöner ist als ein Aff', Luxus ist, bin ich nicht bereit, auf selbigen zu verzichten. Das Äffische am Menschen macht sich vor allem dort breit, wo die Vorzüge humanoider Erfindungen wie das tägliche ausgiebige Bad noch nicht greifen, und es umgibt ihn mit der olfaktorischen Aura eines wilden Tieres, was sich weder in U-Bahn, noch im Büro, schon gar nicht zuhause und überhaupt in keiner erdenklichen Lebenslage sonderlich gut macht.

Wenn das in diesen Ausdünstungen gefangene männliche Objekt wenigstens pantherhafte Temperamentqualitäten einzulösen imstande wäre, würde frau ja nicht lange fackeln und das Animalische rund um den Mann halt hinnehmen. Doch hinter diesen würzig angedeuteten scheinbaren Versprechen stecken so gut wie nie geschmeidige Panther-, sondern so gut wie immer ungepflegte Stinktiere, und deshalb ist den deklarierten Zivilisateuren unter den Männern der eindeutige Vorzug zu geben.

Ein Tüpfelchen Wohlgeruch am gepflegten Mann hat dabei noch nie geschadet, die Nase sieht schließlich mit, und wenn nicht zu viel betont herbe Citrusmännlichkeit vorsticht, ist das auratische Resultat um so raffinierter. Ein fescher aber stinkender Aff' kann mir jedenfalls vorhupfen, was er will, er kann mir gestohlen bleiben. Luxus hin - oder vielmehr her damit!

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- - - CONTRA

Benno Zelsacher

Schönheit kommt aus der Parfümerie. Dieser Slogan ist den Menschen so lange eingetrichtert worden, bis sie ihn glaubten. Die Männer haben etwas länger gebraucht, bis sie ihn kapierten, und ob das naturgemäß ist, ist umstritten. Die Schönheit des Geruchs in seiner unendlichen Vielfalt darf nicht bezweifelt werden. Der Duft eines Bratens regt den Sinn genauso an wie jener einer Blüte, der mit einer bestimmten Person assoziierte Hauch von Parfüm kann geradezu umwerfen. Und wenn das ein Mann sagt, dann meint er die Frau, von der er sich ja keineswegs durch die in der Gesellschaft gespielten Rollen unterscheiden will, sondern durch Äußerlichkeiten vielerlei Art, wobei die Kollision von Duftstoffen, persönlich betrachtet, nicht unbedingt wünschenswert ist.

Der Wein oder der Kaffee plaudern zunächst einmal mit der Nase. Wie dies beispielsweise auch die See tut, ehe man in sie sticht. Die alten Seeleute sollen ja, in Ermangelung von sanitären Einrichtungen, die es heutzutage zuhauf gibt und von richtigen Männern auch regelmäßig benützt werden, fürchterlich gestunken haben. Und was wäre gewesen, hätten sie Parfüm statt Rum an Bord gehabt? Ein übler Mischgeruch. Falls sie das Parfüm nicht sicherheitshalber gesoffen hätten.

der Standard/rondo/2/11/01

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