Dominikanische Republik: Expräsident Bosch gestorben

2. November 2001, 11:36
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Versuchte die Armut zu bekämpfen und scheiterte am Militär und den USA

Santo Domingo - Im Alter von 92 Jahren ist am Donnerstag der erste demokratisch gewählte Präsident der Dominikanischen Republik, Juan Bosch, gestorben. Bosch erlag in einem Krankenhaus der Hauptstadt Santo Domingo den Folgen einer Lungenoperation, wie sein Arzt Pedro Urena mitteilte. Bosch war nur sieben Monate - von Februar bis September 1963 - Präsident des karibischen Inselstaats.

Seine Wirkung auf Politik und Gesellschaft geht aber weit darüber hinaus. So war Bosch an der Gründung von zwei der drei großen Parteien beteiligt, die das politische Leben der Dominikanischen Republik bestimmen. Als Autor von mehr als 40 Büchern beeinflusste er darüber hinaus die lateinamerikanische Literatur. Auf Deutsch ist sein Erzählband "Das Mädchen aus La Guaira" erschienen.

Besetzung durch die USA

Nach der Ermordung von Diktator Rafael Trujillo wurde Bosch im Dezember 1962 zum Präsidenten gewählt. Nach der Übernahme der Regierung leitete er Maßnahmen zur Überwindung der Armut ein, was ihm den Vorwurf eintrug, ein Kommunist zu sein. Die Folge war ein Militärputsch im September 1963. Zwei Jahre später versuchten linksgerichtete Soldaten, Bosch wieder an die Macht zu bringen. Aus Sorge vor einer ähnlichen Entwicklung wie in Kuba schickten die USA daraufhin 20.000 Marineinfanteristen in die Dominikanische Republik und besetzten das Land bis zur Bildung einer Übergangsregierung.

"Bosch war eine wahre Säule der Demokratie", sagte kürzlich der ehemalige Präsident Leonel Fernandez. In einem Fernsehinterview im Jahr 1991 antwortete Bosch auf Fragen zu einem möglichen Comeback: "Die Präsidentschaft ist zu klein für mich, weil ich schon ein politisches und literarisches Erbe aufgebaut habe, in dem mein Name weiterleben wird." Die Beerdigung soll in Boschs Heimatstadt Lavega stattfinden, 100 Kilometer nordwestlich von Santo Domingo. (APA/AP)

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    Ex-Präsident Juan Bosch, hier im Gespräch mit Kubas Fidel Castro

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