Blair zu Nahost-Gesprächen in Jordanien

1. November 2001, 12:57
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Zuvor gab es eine Standpauke von Syriens Präsident Assad

Amman - Der britische Premierminister Tony Blair ist im Rahmen seiner Nahost-Reise am Donnerstag mit dem jordanischen König Abdullah in Amman zusammengetroffen. Nach dem Treffen wollte Blair nach Israel und in den Gaza-Streifen weiter reisen, wo Treffen mit Israels Ministerpräsident Ariel Sharon und Palästinenserpräsident Yasser Arafat geplant waren. Blair hatte zuvor Syrien und Saudiarabien besucht, um für Unterstützung für die von den USA angeführte Anti-Terror-Allianz zu finden.

Aus jordanischen Regierungskreisen verlautete vor dem Treffen, beide Politiker würden auch die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Israel und den Palästinensern erörtern. Ein Blair-Sprecher sagte, Jordanien gehöre zu den gemäßigten arabischen Staaten, die positive gegen Extremismus wirken könnten. Blair hatte Abdullah bereits vor zwei Wochen in London getroffen. In der nächsten Woche wird der jordanische König zu einem Staatsbesuch in Großbritannien erwartet.

Syrien-Besuch war Mißerfolg

Der vergangene Besuch des britischen Premierministers Tony Blair beim syrischen Staatschef Bashar Assad ist von der britischen Presse am Donnerstag einhellig als Misserfolg bewertet worden. Bei der abschließenden Pressekonferenz habe sich Blair von Assad eine beispiellose Standpauke zu den Luftangriffen auf Afghanistan anhören müssen, berichteten die Zeitungen.

"Assad überfällt Blair aus dem Hinterhalt", titelte die "Times". Der konservative "Daily Telegraph" kritisierte: "Blairs Mission scheint auf der unhaltbaren Unterscheidung zwischen "guten" und "schlechten" Terroristen zu fußen. Er war mit ihr schlecht beraten; sie hat der Kampagne der Alliierten geschadet."

Der linksliberale "Guardian" schrieb: "Tony Blairs Versuch, die Anti-Terror-Koalition zu stärken, ist vom syrischen Staatsführer sehr öffentlich abgeschmettert worden. (...) Der Premierminister musste still stehen und mit anhören, wie Israel des Staatsterrorismus bezichtigt und dem Westen vorgeworfen wurde, er könne Terrorismus nicht von Selbstverteidigung unterscheiden." Der regierungsfreundliche "Mirror" titelte: "Blairs Albtraum in der Höhle des Löwen." (APA/Reuters)

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    Assad und Blair beim Besuch der Omaijaden-Moschee in Damaskus. Später gab es eine kräftige Standpauke für den britischen Premier

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