Mutmaßliche US-Terroristin bekannte sich schuldig

1. November 2001, 09:55
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Keine Chance auf unvoreingenommene Jury

Los Angeles - Die mutmaßliche Links-Terroristin Sara Jane Olson, die wegen versuchten Polizistenmordes in den 70-er Jahren in Los Angeles vor Gericht steht, hat sich am Mittwoch überraschend schuldig bekannt. Der jetzt 54 Jahre alten Hausfrau wird vorgeworfen, als Mitglied der linksradikalen "Symbionesischen Freiheitsarmee" (SLA) vor 26 Jahren Nagelbomben unter zwei Polizeiwagen platziert zu haben. Die Sprengsätze detonierten jedoch nicht. Niemand kam bei den Anschlägen ums Leben.

Sie habe sich schuldig bekannt, obwohl sie unschuldig sei, sagte Olson. Die Angeklagte gab die Terrorangriffe vom 11. September als Begründung für ihr unerwartetes Schuldbekenntis an. Sie glaube nicht, dass zu diesem Zeitpunkt ein fairer Prozess möglich sei, weil eine Jury gegen mutmaßliche Terroristen voreingenommen wäre. Olsons Anwältin hatte nach den Terroranschlägen in New York und Washington einen Prozessaufschub verlangt, der jedoch abgelehnt wurde.

Der Richter setzt das Strafmaß fest

Ein Prozess mit einem Schuldspruch hätte zu einer lebenslänglichen Verurteilung führen können. Durch ihr Schuldbekenntnis vermeidet Olson eine Verhandlung. Stattdessen setzt ein Richter das Strafmaß fest. Die Verteidigung hofft auf eine milde Haftstrafe von etwa fünf Jahren, obwohl in diesem Fall die Höchststrafe lebenslang möglich ist. Am 7. Dezember soll das Strafmaß verkündet werden. Gegen eine Kaution von einer Million Dollar (1,106 Mill. Euro/15,22 Mill. S) war die Angeklagte auf freiem Fuß.

Nach den Anschlägen von 1975 war Olson jahrzehntelang flüchtig. Erst 1999 wurde sie in Minnesota verhaftet. Die Frau ist mit einem Arzt verheiratet und hat drei Töchter. Die Terroristengruppe "SLA" war 1974 vor allem durch die Entführung der Verlegerstochter Patty Hearst in die Schlagzeilen geraten. (APA/dpa)

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    Sara Jane Olson

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