Botschafter Schallenberg hält "Geheimpapier" für Fälschung

1. November 2001, 11:44
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Reaktion wäre "unter der Würde" des Bundespräsidenten - Schüssel: "Ich kenne kein Papier"

Wien - Das vom Magazin "News" veröffentlichte angebliche Geheimpapier über die Konflikte zwischen Bundespräsident Thomas Klestil und der Regierung im Zusammenhang mit der Reisediplomatie ist nach Ansicht von Botschafter Wolfgang Schallenberg eine Fälschung. In der "ZiB 3" vom Mittwoch sagte Schallenberg, die Urheberschaft eines "ranghohen Beamten" sei unwahrscheinlich, da man diesen schnell ausfindig machen könnte. Vermutlich handle es sich eher um einen "Unterläufel".

Schallenberg, der seinerzeit Klestil im Amt des Generalsekretärs im Außenministerium nachgefolgt war, will dieses Papier "nicht ernst nehmen". Wenn er Bundespräsident wäre, würde er es als "unter seiner Würde" finden, auf ein "solches Machwerk" zu reagieren. Auf Österreichs Image im Ausland hat nach Schallenbergs Ansicht der Konflikt wenig Auswirkungen. Das Land sei "nicht so wichtig, dass sich alle mit uns beschäftigen". Zu begrüßen sei hingegen die Pflege von Kontakten, um aus der internationalen Isolation auszubrechen.

Zu seiner Zeit sei der Informationsaustausch zwischen Regierung und Präsidentschaftskanzlei zumindest auf Beamtenebene üblich gewesen, sagte der Botschafter weiter. Auch der Außenminister habe regelmäßig den Bundespräsidenten informiert. Das derzeitige Konkurrenzverhältnis findet Schallenberg aber "bis zu einem gewissen Grad verständlich". Da die Beteiligten zwangsweise miteinander auskommen müssten, sei auch deren Arbeit nicht ernsthaft beeinträchtigt. "Lustig" sei der Wirbel hingegen für die Medien.

Schüssel zu angeblichem Geheimpapier: "Ich kenne kein Papier"

Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) hat am Rande seines USA-Besuchs Mittwoch Abend in Washington vor Journalisten zu einem in der Info-Illustrierten "News" veröffentlichten Geheimpapier über angebliche Querelen zwischen den Organen der Staatsspitze Stellung genommen. "Ich kenne kein Papier", sagte Schüssel vor Journalisten. Er habe jedenfalls kein Papier verfasst, daher könne er auch nicht dazu Stellung nehmen.

Der Bundeskanzler versicherte, dass er Bundespräsident Thomas Klestil regelmäßig über seine Reisen informiere, ebenso habe Klestil ihn über seinen Besuch in Saudiarabien und Syrien informiert. "Wir pflegen normale, regelmäßige Kontakte", betonte Schüssel. Er treffe mit Klestil mindestens zwei Mal im Monat zusammen. (APA)

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