Burundi: Tutsis und Hutus übernehmen gemeinsam Übergangsregierung

2. November 2001, 11:22
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Eid "gegen die Ideologie des Genozids und Ausschlusses"

Bujumbura - Im Bürgerkriegsland Burundi haben die rivalisierenden Tutsis und Hutus am Donnerstag eine gemeinsame Übergangsregierung vereidigt. Die Regierung, die das Ergebnis der Vermittlungen des ehemaligen südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela ist, soll das durch einen acht Jahre währenden Krieg zerrüttete Land zum Frieden führen.

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen schworen Präsident Pierre Buyoya und seine 26-köpfige Regierungsmannschaft in der Hauptstadt Bujumbura den Eid "gegen die Ideologie des Genozids und Ausschlusses". An der Zeremonie nahm auch Vermittler Mandela teil.

Durchbruch geschafft

"Während der ganzen Verhandlungen habe ich gesagt, dass wir nicht pessimistisch sein dürfen und versprochen, dass es einen Durchbruch geben würde. Dieser Durchbruch ist heute geschafft", sagte Mandela. Nach dem Abkommen sollen sich Tutsis und Hutus in den nächsten drei Jahren an der Macht abwechseln. So wird der bisherige Präsident Buyoya, ein Tutsi, die ersten 18 Monate regieren. Vizepräsident wird der Generalsekretär der Hutu-Partei "Frodebu", Domitien Ndayizeye. Zur Halbzeit der Übergangsphase soll Ndayizeye das Präsidentenamt übernehmen.

Rund die Hälfte der neuen Minister werden von Hutu-Politikern gestellt, die in den vergangenen Wochen aus ihrem Exil nach Burundi zurückgekehrt sind. Die Übergangsregierung soll die Öffnung der von Tutsis geleiteten Armee für beide Volksgruppen ebenso auf den Weg bringen wie die Freiheit für politische Parteien und die Reform des Justizsystems.

Noch nicht von allen Gruppen anerkannt

Nach wie vor wird die Regierung von einigen Tutsi- Parteien und zwei führenden Hutu-Gruppen nicht anerkannt. Mandela sagte jedoch nach seiner Ankunft am Flughafen, die Hutu-Vertreter hätten bereits ihre Bereitschaft zu neuen Verhandlungen signalisiert.

700 südafrikanische Soldaten sollen den Übergangsprozess in dem zentralafrikanischen Land überwachen. Sie sollen vor allem rund 150 zurückgekehrte Exil-Politiker beschützen. Später sollen sie von Soldaten aus Senegal, Ghana und Nigeria unterstützt werden. Neben Polizeiaufgaben wird die Schutztruppe auch die Ausbildung von burundischen Militärs übernehmen.

In Burundi kämpfen seit 1993 Vertreter des Stammes der Hutus, dem rund 80 Prozent der Bevölkerung angehören, gegen die regierende Minderheit der Tutsis. Sie stellen nur etwa 15 Prozent der Bevölkerung, kontrollierten aber bisher Regierung und Militär. Mehr als 200.000 Menschen kamen in dem Konflikt ums Leben, rund 500.000 wurden vertrieben. (APA/dpa)

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