Interesse an Gratis-Musiktausch schwindet

1. November 2001, 12:06
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Studie: Nutzung in Europa um 50 Prozent eingebrochen

Das harte Vorgehen der Musikindustrie gegen die Gratis-Musiktauschbörse Napster hat zumindest in Europa Wirkung gezeigt. Wie die Marktforschungsgesellschaft Jupiter MMXI am Mittwoch in Nürnberg mitteilte, fiel die Zahl der regelmäßigen Nutzer von kostenlosen Online-Tauschbörsen zwischen Februar und August um die Hälfte auf 4,6 Millionen.

Der Vorreiter war Napster

Napster ermöglichte ursprünglich den kostenlosen Tausch von Musiktiteln im Netz und war die erfolgreichste Musik-Vertriebs-Website im Internet. Die Musikindustrie, die um ihre Einnahmen bangte, ging gegen das Angebot auf die Barrikaden und erwirkte im Juli ein gerichtliches Verbot. Seitdem muss Napster dafür sorgen, dass keine urheberrechtlich geschützten Titel über seine Website getauscht werden.

Napster-Nachfolger doch keine Bedrohung für die Musikindustrie

Die Befürchtung, dass Napster-Nachfolger eine noch stärkere Bedrohung für die Musikindustrie darstellen könnten, habe sich nicht bewahrheitet, erklärten die Marktforscher. Grund sei die "Fragmentierung des Marktes", die es den Nutzern in Europa erschwere, neue Angebote zu finden. Hätten sich im Februar dieses Jahres noch zwölf Tauschbörsen eine Reichweite von 16 Prozent in Europa geteilt, waren es im August 17 Web-Angebote, die lediglich noch 7,6 Prozent der Internet-Nutzer erreichten.

Kennt man in Europa keine anderen Tauschbörsen?

Hier sind die Europäer aber offenbar weniger findig als Nutzer in den USA: Dort stieg nach einer vor zwei Wochen veröffentlichten Erhebung die Zahl der alternativer Tauschbörsennutzer (ohne Napster) zwischen März und August um 500 Prozent auf 6,9 Millionen. Jupiter MMXI hatte dies damals mit dem hohen Bekanntheitsgrad von Alternativangeboten wie Morpheus, Kazaa Media, Winmx und Aimster (Siehe: Alternative Tauschbörsen ) begründet. Bei Napster wurde im selben Zeitraum ein Nutzerschwund von 50 Prozent auf 5,5 Millionen verzeichnet.

Für Europa ergibt sich den Marktforschern zufolge dagegen ein ganz anders Bild: "Die letzte Generation der 'Napster Klone' präsentiert sich der Plattenindustrie als Herausforderung in Form eines grauen, zersplitterten Marktes, der eine viel geringere Bedeutung darstellt als das Napster-Phänomen", erklärte Jupiter-Analyst Mark Mulligan. Er sah darin gleichzeitig Lehren für die Pläne der Musikfirmen, eigene kostenpflichtige Internet-Angebote ins Netz zu stellen. Um damit Erfolg zu haben, müssten die Plattenfirmen "extrem gute Services bieten, viel besser als das, was es auf dem grauen Markt bisher bereits gibt". (apa)

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