Biozid soll Anthrax töten

1. November 2001, 21:42
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Wie AKH-Forscher eher nebenher ein Gegenmittel fanden

Wien - "Wir haben zwei Briefkuverts mit je zehn Millionen Sporen Anthrax gefüllt und einen mit unserem Mittel besprüht", berichtet Apostolos Georgopoulos (Mikrobiologische Labors, AKH Wien), "dann sah es so aus": Die Bakterien aus dem nicht besprühten Brief wuchern, die aus dem besprühten sind tot.

"Es lässt die Bakterien einfach platzen, wir wissen allerdings nicht, wie es das macht", erklärt Georgopoulos, der sich mit Details stark zurückhält: Das Mittel - kein Antibiotikum, sondern ein Polymer mit dem Codenamen P-1 - ist "eigentlich nichts Neues, sondern ein altes Biozid der Erdölindustrie", mit dem Rohre von Bakterienbewuchs freigehalten werden. Georgopoulos hat es ursprünglich auch nicht gegen Anthrax ausprobiert: "Wir wollten damit Erreger knacken, die gegen Antibiotika hoch resistent sind" und in Spitälern Sorgen machen.

Dabei bewährte sich P-1 so gut, dass Georgopoulos altes Fachwissen und alte Verbindungen mobilisierte: Er war früher Tierarzt, der auch mit der Tierseuche Anthrax zu tun hatte. Und alte Kollegen der Serologischen Bundesanstalt Mödling stellten Sporen eines abgeschwächten Anthraxstammes zur Verfügung. Daran testete er gemeinsam mit Athanasios Bogiatzis (Institut für Krankenhaushygiene und Mikrobiologie, Graz) im Hochsicherheitslabor die Wirkung von P-1 auf Anthrax.

In Fachkreisen halten sich - auch weil keinerlei Details publiziert sind - Zweifel daran, wie Polymere Bakterien töten sollen können. Und auch Georgopoulos konzediert: "Es ist das erste Experiment, es muss erst noch bestätigt werden." Trotzdem hofft er auf eine Zulassung im Schnellverfahren. (jl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2. 11. 2001)

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