Die Viennale-Preise 2001

4. November 2001, 23:57
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Filme, Preisträger, Begründungen

Vier Preise wurden wie im Jahr zuvor bei der Viennale '01 vergeben, der FIPRESCI-Preis der internationalen Filmkritik, der Wiener Filmpreis, der STANDARD-Leserpreis und der CA-Kurzfilmpreis.

Für die 40. Ausgabe der Wiener Filmfestspiele im Jahr 2002 kündigte Festival-Direktor Hans Hurch einen neuen "Großen Preis der Viennale" an, der voraussichtlich nach der Regie-Legende Erich von Stroheim benannt werden wird.

FIPRESCI

Die Vereinigung der internationalen Filmkritiker, die FIPRESCI, vergab ihren Preis an Laurent Cantets L'emploi du temps für "sein packendes, visuell eindrucksvolles Portrait über Existenzangst und Selbstentfremdung in einer normierten Gesellschaft, wo Konkurrenzkampf, sozialer Status und Erfolg den Ton angeben".

Eine lobende Erwähnung erhielt Jessica Hausners Lovely Rita für "seine scharfsichtige Studie vom Aufbegehren eines verstörten Teenagers gegen bürgerlichen Konformismus", so die Jury, die aus Jan Aghed (Schweden, Präsident), Sylvain Garel (Frankreich), Susanna Harutyunyan (Armenien), Nina Tsyrkun (Russland) und Karin Schiefer (Österreich) bestand.

Wiener Filmpreis

Zweigeteilt wurde 2001 die Vergabe des "Wiener Filmpreises", der für Herausragendes aus dem Feld der österrreichischen Filme vergeben wurde - und zwar laut Entscheidung der Jury an zwei Produkte, die das Spektrum des österreichischen Kinos zwischen Spiel- und Dokumentarfilm reflektieren.

Bei In the Mirror of Maya Deren, Martina Kudláceks aufwendig recherchierter Hommage an die Avantgardefilm-Pionierin Maya Deren, hob die Jury hervor, dass Kudlácek "vielschichtige Zeugnisse von Weggefährten Maya Derens gesammelt und diese mit Archivaufnahmen aus den 40er und 50er Jahren schlüssig montiert" hat. Entstanden sei dadurch "das überzeugende Portrait der ästhetischen Revolte einer Künstlerin im Spannungsfeld von Film und Traum, Eros und Thanatos, Körper, sakraler Ekstase und Mythos".

Zu Lovely Rita, der "in zeitlosen Bildern von einer Jugend in kleinbürgerlicher Enge und den Strategien, sich in dieser Welt der Entfremdung zurechtzufinden, erzählt", befand die Jury: "Barbara Osika (in der Titelrolle, Anm.) überzeugt als taumelnder Teenager im Zentrum einer lakonischen Chronik der Zerrüttung. Jessica Hausners Langfilmdebut oszilliert zwischen prägnanter Beobachtung und couragierter Stilisierung, zwischen elliptischer Milieustudie und universaler Tragödie."

Die Jury des Wiener Filmpreises, der aus einem Geldbetrag der Kulturabteilung der Stadt Wien (öS 100.000,-), aus Filmmaterial im Wert von öS 100.000,- der Firma Kodak und aus einer Sachleistung über öS 40.000,- der Firma Listo Film und Video besteht, setzte sich aus Alexander Dumreicher-Ivanceanu, Christine Gaigg, Christoph Huber, Bettina Leidl und Brigitte Weich zusammen.

STANDARD-Leserjury

Der zum fünften Mal vergebene Preis der STANDARD-Leserjury geht an Claude Lanzmanns Sobibor, 14 octobre 1943, 16 heures, eine lobende Erwähnung an Hai xian (Seafood). Für diesen Preis wurden Filme gesichtet, die bis dato noch keinen Verleih in Österreich gefunden haben. Der STANDARD-Leserpreisträger wird, so er später ins reguläre Kinoprogramm Eingang findet, mit kostenlosem Anzeigenraum unterstützt.

Die Begründung der aus Susanne Berthold, Wolfgang Heigerth, Bettina Hering, Michael Hirt und Andrina Mracnikar zusammengesetzten Jury findet sich im Wortlaut hier.

CA-Kurzfilmpreis

Bereits im Laufe des Festivals vergeben wurde der CA-Kurzfilmpreis in der Höhe von S 50.000,- des Viennale-Hauptsponsors Creditanstalt - für einen herausragenden und eigenständigen Kurzfilm aus dem Festival-Programm. Naomi Uman erhielt den Preis für Private Movie (USA 2000) am 21.10. anläßlich der Vorführung des Films im Metro-Kino überreicht. Gewürdigt wurde an der "kurzen experimentellen Studie über Licht, Bewegung, Glück, über strahlende Dunkelheit und flackernde Erinnerung" die "persönliche Handschrift, der ungewöhnliche Witz und die beeindruckende Experimentierfreudigkeit", die Uman zu einer "unverwechselbaren und eigenständigen Persönlichkeit im gegenwärtigen avantgardistischen Kino" machen.
(Viennale/red)

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