Explodierende Drähte röntgen Fliegen

2. November 2001, 22:14
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Aus Forschung für Fusionsreaktoren entstand per Zufall ein neuartiger Röntgenapparat

Ithaca/ New York - Per Zufall haben Wissenschaftler der Cornell-Universität einen Röntgenapparat entwickelt. Mit dem Verfahren lassen sich präzise Bilder von Fliegen und anderen Kleintieren anfertigen. Ursprünglich arbeiteten die US-Physiker an einer neuen Technik für Fusionsreaktoren. Der Apparat hat allerdings wenig mit einem herkömmlichen Röntgenapparat gemein, denn im Wesentlichen besteht das Gerät aus einem Paar gekreuzter, haardünnen Drähten.

Die Drähte verlaufen durch eine Vakuumkammer. Schicken die Physiker einen sehr stark elektrischen Strom durch die Drähte, explodieren sie und bilden binnen Millisekunden ein Plasma. Das Plasma, ein dichtes Gas, das auch als X-Pinch bezeichnet wird, erzeugt Röntgenstrahlen. Mit den Strahlen lassen sich kleinste Objekte durchleuchten.

Die ersten Aufnahmen waren sehr verschwommen. Mittlerweile ist es den Physikern gelungen, die Technik zu verfeinern. Die kürzlich aufgenommenen Röntgenbilder von Stubenfliegen (siehe Bild) zeigten bereits klare Strukturen wie Haare mit einem Durchmesser von weniger als einem Tausendstel Millimeter. Wie bei herkömmlichen Röntgenverfahren ermöglicht die X-Pinch-Technik auch das Durchleuchten lebender Organismen. "Es ist bereits gelungen, wendige Ameisen zu röntgen." Das Durchleuchten toter Fliegen sei allerdings wesentlich einfacher, gesteht David Hammer. Ob die neue Röntgentechnik in der Medizin oder Biologie Einsatz finden wird, sollen die Forscher in Zusammenarbeit mit der Veterinärmedizin der Cornell Uni klären. Hammer wird das Verfahren auf einem Kongress der American Physical Society in Long Beach, Kalifornien vorstellen. (pte)

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