Keep it simple

6. November 2001, 14:25
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Edwin Walczak, Fondsmanager des Vontobel US Value Equity Fund, über das Geheimnis seines Erfolges

Edwin Walczak ist erfolgreich. Sein Fonds, der Vontobel US Value Equity Fund, ist mit einer Performance von über 15 Prozent p.a. (seit 1991) der beste US Aktienfonds über ein bzw. fünf Jahre. Wie aber schafft es der überzeugte Value Investor eigentlich seit Jahren seine Konkurrenten auszustechen?

Was macht ein Fondsmanager wie Herr Walczak eigentlich den ganzen Tag? Research, Research und noch mal Research. Klingt eigentlich wenig aufregend, oder? Für Edwin Walczak aber nicht: "Um ein Unternehmen in sein Portefeuille aufzunehmen, muss der Anleger es vorher verstehen und je mehr er über eine Firma weiß, desto eher wird er damit auch Gewinn machen". Deswegen hat er nur 20-30 Unternehmen in seinem Fonds, welche u.a. folgende Kriterien erfüllen müssen: hohe Markteintrittbarrieren, dominierende Marktstellung, hohe Management- und Mitarbeiterbeteiligung und ein beständiger Cash Flow. Weiters hat er in den letzten 10 Jahren in nicht mehr als 70 verschiedene Titel investiert, fischt also immer wieder in seinem Pool aus "investitionswürdigen" Unternehmen wie Golden West Financial, Disney, Budweiser, Tiffany oder First Data. Diese Unternehmen kennt er dann aber dafür sehr gut und dabei versteht vor allem deren Umfeld.

Value oder Growth? - Hauptsache Gewinn

Für Ed Walczak spielt es dabei keine Rolle ob es sich um ein Value oder ein Growth Unternehmen handelt, solang es sich um einen fundamental einwandfreien Wert handelt der genügend Gewinnpotential verspricht. Das für Ihn dabei der absolute vor dem relativen Ertrag steht, muss kaum erwähnt werden.

Wachstum ist für Ihn also durchaus auch ein Thema, aber nur wenn er dafür nicht allzu viel zahlen muss. Ein Beispiel dafür ist Automatic Data: "Ein Titel der mir seit Jahren gut gefällt, leider war er noch nie billig genug um ihn zu kaufen". Bei der Auswahl seiner Titel verhält er sich außerdem extrem risiko-avers und nimmt diese erst in seinen Fonds auf, wenn sie mit einem genügend großen Abschlag zum inneren Wert gehandelt werden.

Never change your style

Ein weiteres Unikum besteht bei Edwin Walczak darin, dass er auf makroökonomisches Research gänzlich verzichtet. Bei seinem Bottom-up Investmentansatz ergibt sich seine Asset-Allocation vielmehr aus folgendem Phänomen: "Der Markt selbst sagt uns welche Sektoren man kaufen soll. Nämlich nur diese deren Bewertungen derzeit attraktiv sind." Die Freiheit die er dabei hat (laut Fondsprospekt darf er in Aktien, Wandelanleihen, Anleihen mit Aktienoptionsscheinen und zu einem kleinen Teil in Aktienoptionsscheine investieren) nimmt er sich auch wenn es um ein weiteres Motto von Ihm geht: "Never change your style".

"Es gibt nicht Dümmeres als gegen die USA zu wetten"

Nach dem WTC-Anschlag waren viele von Edwin Walczak beobachtete Werte plötzlich attraktiv bewertet. Er hat die Chance zur Diversifikation genützt und ist aktuell mit 52,9% in Versicherungswerten und 20,8% in Finanztitel investiert. Seine größten Positionen sind derzeit Berkshire Hathaway, Markel, Federal Home Loan Mortgage und Mercury General. Dabei gibt er folgendes zu bedenken: "Welche Titel fühlen sich derzeit schlecht an? Werden die Leute wegen den Taliban wirklich nicht mehr ins Disneyland gehen oder in Marriot Hotels übernachten? Ich denke nicht."

Zum Schluß hat er dann noch einen guten Rat parat: "Man muß erkennen wie wenig man wirklich weiß. Deswegen sollte man immer darauf achten alles so simpel wie möglich zu halten und sich auf ein paar wenige Dinge konzentrieren." Ist das vielleicht also der Schlüssel zum Erfolg? Eine philosophische Frage die aber den Blick nicht darauf verstellen soll, dass man mit Investoren wie Edwin Walczak langfristig sicherlich erfolgreich investiert sein wird.

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